Der Verlauf einer Kalbung ist entscheidend für die Gesundheit eines neugeborenen Kalbes in den ersten Lebensstunden und -tagen und legt damit den Grundstein für dessen weitere Entwicklung. Für eine erfolgreiche Kälberaufzucht müssen alle Bedingungen stimmen. Daher ist es wichtig, sich bestmöglich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Dazu gehört das Wissen über den Verlauf einer normalen Geburt sowie ein frühes Erkennen von Störungen und deren fachgerechtes Eingreifen.

In den meisten Fällen läuft die Abkalbung selbstständig und ohne menschliche Hilfe ab. Ein Eingreifen in den natürlichen Geburtsverlauf ist erst dann notwendig, wenn kein Voranschreiten der Geburt zu beobachten ist. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln und welche Mittel sind wirksam, aber gleichzeitig schonend für Muttertier und Kalb?

Umstallen in die Abkalbebox

Die bevorstehende Kalbung sollte in einer sauberen, trockenen und ruhigen Umgebung stattfinden und nach Möglichkeit überwacht werden. Der beste Ort dafür ist eine Abkalbebox. Bevor die ersten Geburtsanzeichen auftreten, sollten Sie die Kuh in eine saubere Box umstallen. In der Regel sollte dies spätestens zwei Tage vor der Geburt erfolgen.

Anzeichen, dass die Abkalbung bevorsteht:

• Kontinuierliches Aufeutern 
• Einfallen der Beckenbänder 
• Erweichung des Schwanzansatzes
• Rötung und Vergrößerung der Scham, zum Teil mit zäher Schleimspur


Bei Einzelboxen wird eine Größe von etwa 16 bis 18 m² pro Tier empfohlen, in Gruppenboxen sollte jedem Tier eine Fläche von 10 bis 12 m² zur Verfügung stehen. Einzelabkalbungen mit Sicht zur Herde sind Gruppenabkalbungen jedoch vorzuziehen. Auch auf einen trittsicheren Untergrund mit reichlich trockener und sauberer Einstreu (täglich 8 bis 12 kg Stroh pro Tier), ein offenes Tränkebecken (bei Gruppenboxen mehrere Tränken vorsehen) sowie eine gute Luftqualität sollte geachtet werden. 


Eine funktionierende Abkalbebox sorgt dafür, dass sich Ihre Kühe rund um die Uhr wohlfühlen und gut vorbereitet in die Geburt starten. Eine saubere und ruhige Umgebung senkt zudem das Risiko für Infektionen und Schwergeburten. 



Regelmäßige Geburtsüberwachung 

Sobald deutliche Geburtsanzeichen auftreten, empfiehlt sich eine regelmäßige Geburtsüberwachung. Diese sollte möglichst unauffällig erfolgen, damit die Kuh nicht unnötig gestresst wird. Außerdem ist es sinnvoll, den Beginn, den Verlauf und das Ergebnis der Geburt zu dokumentieren. So weiß jeder in Ihrem Betrieb, wann die Geburt begonnen hat und wie sie bisher verlaufen ist.  


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Geburtshilfe – so gehen Sie richtig vor 

Ein optimal abgestimmtes Geburtsmanagement ist die beste und erfolgversprechendste Geburtshilfe – ganz nach der Devise: gut beobachten und wenig tun. Das Ziel muss es also sein, dass die Geburt für Kuh und Kalb so schonend wie möglich abläuft. Denn jedes Eingreifen in den Geburtsablauf bedeutet Stress für die Kuh und erhöht zudem das Verletzungs- und Infektionsrisiko. Doch wann müssen Sie reagieren und wann schaffen es die Kühe allein? Hier ist es hilfreich, wenn Sie die fünf Phasen der Geburt beim Rind kennen. 



Wann ist eine geburtshilfliche Untersuchung nötig? 

Geburt geht nicht voran:
  • Nach Platzen der Fruchtblase sollte innerhalb einer Stunde ein Fortschritt der Geburt zu sehen sein
  • Große Unruhe und Schmerzen des Muttertieres
  • Nur eine Klaue des Kalbes ist sichtbar
  • Nur der Kopf des Kalbes ist zu sehen


Auf die richtige Vorbereitung kommt es an 

  • Das Muttertier fixieren und den Schwanz anbinden. Verwenden Sie nur ausgekochte Geburtsstricke oder -ketten
  • Genitalregion der Kuh gründlich mit Wasser und einer hautverträglichen Desinfektionslösung reinigen
  • Hände und Arme sorgfältig waschen
  • Saubere Schürze und Einmalhandschuhe tragen
  • Viel Gleitgel verwenden, da dies die weichen Geburtswege und das Kalb vor Verletzungen schützt


Achten Sie bei einer vaginalen Untersuchung auf hygienische Sauberkeit, da sonst Keime in den Genitaltrakt gelangen und zu einer Gebärmutterentzündung führen können. Dies kann sich auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Grundregeln der Geburtshilfe 

Sobald die Kuh die Geburt nicht allein bewältigen kann, ist eine fachgerechte Geburtshilfe notwendig. Zughilfe sollte aber nur dann durchgeführt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

• Muttermund vollständig geöffnet 
• Vorder- oder Hinterendlage 
• Obere Stellung – d. h. der Rücken des Kalbes weist zum Rücken der Kuh
• Gestreckte Haltung von Kopf und Beinen des Kalbes 


Tipps für eine erfolgreiche Zughilfe 

Neben Ruhe, Sauberkeit und einer guten Vorbereitung ist vor allem ein überlegtes und fachgerechtes Vorgehen entscheidend:

  • Geburtsstricke oder -ketten oberhalb der Fesselgelenke des Kalbes fixieren
  • Zughilfe erfolgt im Rhythmus mit den Wehen. Niemals während der Wehenpausen, da in dieser Zeit das Kalb mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird
  • Maximal mit der Kraft von zwei Personen ziehen, da zu starke Zugkräfte zu Verletzungen beim Kalb führen können
  • Bei einer Vorderendlage zuerst parallel zur Wirbelsäule der Kuh ziehen, bis der Brustkorb des Kalbes durchgetreten ist. Anschließend ziehen Sie nach unten angewinkelt Richtung Sprunggelenk
  • Befindet sich das Kalb in der Hinterendlage, erfolgt der Auszug immer parallel zur Wirbelsäule des Muttertieres
  • Nach ca. 10 Minuten Zughilfe sollte das Kalb mindestens 10 bis 15 cm vorangekommen sein. Ist dies nicht der Fall, sollte ein Tierarzt gerufen werden
  • Nach der Geburtshilfe sollte die Kuh auf Verletzungen und ein weiteres Kalb im Geburtsweg untersucht werden
  • Stellen Sie anschließend kaltes Wasser und sauberes Stroh für die Erstversorgung bereit, um die Atmung und den Kreislauf des Kalbes anzuregen. 

    Zögern Sie nicht, Ihre/n Tierarzt/Tierärztin zu kontaktieren, falls Ihnen etwas komisch vorkommt! Denn bei dem Geburtsvorgang kann jede Minute zählen.

    neugeborenes Kalb






Unser Fazit 

Mit einer gut durchdachten Geburtsvorbereitung können Sie Schwer- und Totgeburten bei der Kälberaufzucht vermindern und die entscheidenden Weichen für die Leistungsfähigkeit der Kuh sowie für einen optimalen Start des neugeborenen Kalbes ins Leben stellen. Bei jeder Kalbung müssen Sie deshalb immer wieder aufs Neue abwägen zwischen der Kuh Zeit lassen und Geduld haben und Maßnahmen ergreifen. Im besten Falle ist jedoch nur eines nötig: Ruhe bewahren, bis das Neugeborene auf der Welt ist. 


Bitte verlinken mit dem Artikel: https://ruminants.ceva.pro/de/7-wertvolle-tipps-zu-gutem-kolostrum-management