In dem ersten Teil des Artikels „Kälberdurchfall beurteilen“ konnten Sie bereits einiges darüber lernen, welche Erreger in welchem Alter bei Kälbern auftreten. Wollen Sie den Artikel nochmal lesen? Dann klicken Sie hier.

Erfahren Sie in dem diesen Artikel mehr über Kryptosporidien. 

Kryptosporidien sind parasitäre Einzeller, die von den Kälbern oral meist über infizierte Kälberboxen aufgenommen werden. Nach kurzer Inkubationszeit folgen die Durchfälle bereits nach wenigen Tagen, wobei schon wenige Erreger für eine Infektion ausreichen. Die Erreger sind außerdem sehr widerstandsfähig und oft unempfindlich gegenüber vielen Desinfektionsmitteln.

  • Die Kryptosporidien verursachen Entzündungen, die Bauchschmerzen und dadurch Bewegungsunlust auslösen, teilweise ist im Kot Blut nachweisbar. Je nach Konstitution des Kalbes kann es von leichten bis hin zu tödlichen Verläufen der Infektion kommen.
  • Höchstmögliche Stallhygiene schon im Vorfeld ist die wichtigste Maßnahme, um Kryptosporidien-Infektionen zu verhindern.
  • Kälberboxen, Wände und Tränkeeinrichtungen mit speziellen Desinfektionsmitteln behandeln.
  • Infizierte Tiere unbedingt abtrennen.
  • Auch gegen Cryptosporidien gilt: Kolostrumgabe maximieren!
  • Cryptosporidien-Infektionen treten oft zusammen mit Rota- und Corona-Viren auf. Ziehen Sie den Tierarzt hinzu!Kälberdurchfall beurteilen_Kalb stall-1




 

Infektionen der Kälber durch Rota- und Corona-Viren in 2. und 3. Lebenswoche.

Virale Infektionen vor allem durch Rota- und auch Corona-Viren gehören zu den häufigsten Ursachen für Frühdurchfall bei den Kälbern. Sie treten vor allem in der erstenbis dritten Lebenswoche auf, wenn der Gehalt an Antikörpern durch die passive Immunisierung langsam nachlässt.

  • Die Übertragung der Rota- und Corona-Viren erfolgt über den Kot, in der Regel oral, vor allem über durch Kot verunreinigte Tränken. Die Inkubationszeit von der Aufnahme der Erreger bis zum Auftreten der Symptome beträgt nur etwa 24 Stunden.
  • Rota-Viren wirken vor allem im Dünndarm, Corona-Viren auch in Teilen des Dickdarms und in den Atemwegen, weshalb es auch zu Symptomen von Atemwegserkrankungen kommen kann.
  • Die viralen Erreger lassen sich nicht durch Antibiotika bekämpfen. Vorrangig ist daher der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts.
In schweren Verläufen kann es sein, dass die oral verabreichte Flüssigkeit vom Darm nicht mehr aufgenommen werden kann, so dass das Kalb durch Infusionen gerettet werden muss. Ziehen Sie Ihren Hoftierarzt hinzu!

Spätere Infektionen der Kälber durch Salmonellen und Eimerien.

Salmonellen sind Bakterien, die im Bereich der Kälberaufzucht zwar auftreten, aber im Vergleich zu den bisher genannten Erregern meist eine untergeordnete Rolle spielen. Allerdings sind Salmonellen auf den Menschen übertragbar und zählen deshalb zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen in Deutschland.

  • Salmonellen sind sehr widerstandsfähig und können in schlecht gereinigten Ställen mehrere Monate und sogar Jahre überleben. Hygiene verbessern!
  • Die Infektion erfolgt meist über kontaminiertes Wasser oder Futter, unauffällige erwachsene Rinder scheiden die Erreger über den Kot aus.
  • Symptome bei den Kälbern sind Fieber, Appetitlosigkeit und Mattigkeit.
  • Gerade bei jungen Kälbern kann die Infektion schnell nach ein bis zwei Tagen tödlich verlaufen, bei älteren Kälbern kann der Verlauf auch milder sein. Hoftierarzt hinzuziehen!

Eimerien sind Darmparasiten, die meist bei Tieren ab dem zweiten Lebensmonat Kokzidiose verursachen. Auslöser ist oft die Umstallung der Kälber in Gruppenhaltung, wenn die Tiere in infizierte Ställe kommen. Die Kälber nehmen dort die Erreger auf, die sich dann in den Darmzellen einnisten, teilweise auch in tieferen Gewebeschichten, so dass es zu blutigem Durchfall kommen kann. Auch gesund erscheinende Kälber können Träger der Parasiten sein. Diese Tiere scheiden den Erreger dann auch aus und die Erkrankung kann durch Stress ausgelöst werden.

  • Erkrankte Kälber und erwachsene Tiere scheiden mit dem Kot die neuen Erreger als Dauerform (Oozysten) aus, die dann weitere Tiere infizieren. Stallhygiene optimieren!
  • Häufig ist eine Erkrankung schwer zu erkennen, da die Kotkonsistenz nur leicht verändert ist. Ein verschmutzter und verklebter Kälberschwanz ist oft ein Hinweis auf die Erkrankung.
  • In schwereren Fällen ist der Kot dünnbreiig bis wässrig, dunkel und enthält eventuell Blut.
  • Wichtig ist es, auch leichte Verläufe zu behandeln, da sich die Kälber sonst schlecht entwickeln (Kümmerer).
  • Zur Behandlung ziehen Sie auch hier den Tierarzt hinzu!

Kälberdurchfall behandeln und Ursachen bekämpfen!

Die Kälber können im Verlauf der ersten Lebenstage und -wochen schon mit den verschiedensten Erregern konfrontiert werden – mit zum Teil erheblichen Auswirkungen für die Gesundheit des einzelnen Tieres selbst und Folgen für die künftige Entwicklung in Bezug auf Leistungsfähigkeit und Fruchtbarkeit. Grundsätzlich sollte daher Kälberdurchfall immer in enger Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt behandelt werden. Gegen viele Erreger gibt es wirksame Impfstrategien. Mehr über Schutzimpfungen gegen Kälberdurchfall erfahren Sie in diesem Artikel. Zusätzlich sollten Sie im eigenen Betrieb darauf achten, Hygiene und Haltungsbedingungen so zu verbessern, dass die Erreger möglichst wenig Chancen haben.

Mehr dazu lesen Sie gerne auch in unseren schon erschienenen Beiträgen zum Kälberdurchfall sowie zur Kälberresilienz!

Eine übersichtliche Schritt-für-Schritt Anleitung - ideal auch zur Schulung Ihrer Betriebsmitarbeiter finden Sie hier.