Lebensleistung der Kühe kann mit niedrigerem EKA schneller erreichbar sein.

Die Lebensleistung der Kühe ist für Sie als Milchviehhalter eine entscheidende Größe für den langfristigen Erfolg Ihres landwirtschaftlichen Betriebs. Einen wesentlichen Einfluss darauf hat auch das Erstkalbealter (EKA) – doch wann ist tatsächlich der richtige Zeitpunkt?

In der Praxis ist klar, dass das optimale Erstkalbealter nicht ganz einfach zu bestimmen ist. Natürlich spielen die jeweiligen betrieblichen Bedingungen eine Rolle und verschiedene Faktoren müssen gegeneinander abgewogen werden: So erreichen älter besamte Tiere insbesondere in der ersten Laktation eine höhere Milchleistung – doch sie verursachen bis dahin höhere Kosten in der Aufzucht, die nur schwer ausgeglichen werden können.

Für moderne Milchviehbetriebe tragen die Futterkosten für die Milchviehherde, am meisten zu den Produktionskosten bei, gefolgt von den Kosten der Färsenaufzucht, die der Remontierung älterer Kühe dienen soll. Die Färsenaufzucht stellt bis zu 20-25% der Gesamtkosten einer Milchviehherde dar (Gabler et al., 2000). Von diesen Kosten macht die Fütterung typischerweise etwa 50% der Gesamtkosten aus (Akins, 2016).

Rinder mit zu niedrigem EKA können demgegenüber eine geringere Lebensleistung erzielen, sparen allerdings Aufzuchtzeit und Aufzuchtkosten – unterm Strich kann sich das aber betriebswirtschaftlich lohnen. Schauen wir uns den Zusammenhang von Erstkalbealter, Lebensleistung und Betriebserfolg also etwas genauer an.
Erstkalbealter_Kuh auf der Weide-1







 

- Optimales Erstkalbealter sichert hohe Lebensleistung


- Absenkung des EKA spart Aufzuchtkosten 


- Niedriges EKA verbessert Lebenstagsleistung


- Vorteile eines niedrigen Erstkalbealters 


- Umsetzung in der Praxis

Höchste Lebensleistung bei Erstkalbealter unter 25 Monaten. 

Um die Laktationsleistung zu maximieren und die Aufzuchtkosten zu senken, sollte bei Holsteins ein durchschnittliches Erstkalbealter von ≤ 24 Monaten angestrebt werden. Bei einem EKA von 24 Monaten wird empfohlen, dass die Erstkalbinnen ein Körpergewicht von mindestens 560 kg haben.2
Die Färsen sollten allerdings auch nicht jünger als 23 Monate kalben, da dann die Milchleistung in der ersten Laktation und die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sind.3
 
Liegt das EKA der Tiere über 25 Monaten, sind die Leistungen meist schwächer. Betriebswirtschaftlich verursachen diese Rinder hohe Kosten durch die lange Aufzuchtzeit. Betrifft dies regelmäßig die ganze Herde, können Aufzuchtprobleme vorliegen, die man identifizieren und abstellen sollte. So können sich zum Beispiel Infektionskrankheiten in der Aufzucht mehrfach negativ auswirken: Es entstehen einerseits Behandlungskosten und das Erstkalbealter wird meist ebenfalls erhöht.

Absenken des EKA spart Aufzuchtkosten

 

Je niedriger das Erstkalbealter ist, desto geringer sind selbstverständlich die Kosten für die Aufzuchtphase. Kosten für Futter, Arbeitsaufwand und Stallbelegung in der Aufzucht machen mit etwa 15 bis 20 % einen wesentlichen Anteil an den Gesamtkosten aus. Wenn Färsen also gut entwickelt sind und das richtige Alter, Statur und Gewicht erreicht haben, sollte besamt werden.
Ein Beispiel zur groben Kalkulation: Setzt man bei einem EKA von 27 Monaten Aufzuchtkosten von 2.000 Euro an, sind dies etwa 74 Euro pro Monat. Gelingt es nun, das Erstkalbealter um drei auf 24 Monate zu senken, sind dies etwa 200 Euro Kosteneinsparung pro Färse. Bei einem Bestand von 100 Tieren können so die Aufzuchtkosten langfristig um rund 20.000 Euro reduziert werden.



Niedriges EKA verbessert Lebenstagsleistung

Für die Beurteilung der Erträge ist aber nicht nur die Lebensleistung der Kühe insgesamt interessant, sondern auch die Leistung pro Lebenstag im Zusammenhang mit dem Erstkalbealter. Die Auswertung eines Milchviehbetriebs mit 200 Kühen über einen Zeitraum von 14 Jahren bietet dazu spannende Ergebnisse.1

In den Geburtsjahren von 1997 bis 2010 wurden 691 Kühe mit Geburtsjahr, Erstkalbealter, Lebensleistung (Milch, Fett, Eiweiß) und Lebenstagsleistung (Milch in kg pro Tag), Anzahl der Laktationen. Abgangsalter und Nutzungsdauer erfasst. Dabei betrug im Durchschnitt der 14 Jahre die Lebensleistung 31.092 kg, die Lebenstagsleistung 14,0 kg pro Tag und Kuh.

Unter Berücksichtigung des Erstkalbealter ergab sich ein detaillierteres Bild:

  • Unterschiede in der Lebensleistung …
der verschiedenen Erstkalbealtersgruppen waren zwar messbar, aber nicht sehr signifikant. Der Unterschied der Lebensleistung lag in den untersuchten Gruppen nur etwa zwischen zwei und vier Prozent, wobei trotzdem auch hier die Kühe mit dem niedrigsten Erstkalbealter (bis 24,2 Monate) im Durchschnitt mit 32.072 kg die höchste Lebensleistung erbrachten.


  • Unterschiede in der Lebenstagsleistung …

der verschiedenen Erstkalbealtersgruppen waren dagegen deutlich sichtbar. Hier erzielten die Kühe mit der niedrigsten EKA eine Leistung von 15,0 kg pro Lebenstag, während Kühe mit einem Erstkalbealter von mehr als 26 Monaten nur 13,1 kg pro Tag erzielten. Dies ist ein Leistungsplus von über 12 %!

Erfahren Sie in dem zweiten Teil von „Erstkalbealter senken, Betriebserfolg steigern?“ mehr zu den Vorteilen eines niedrigen Erstkalbealters und zu der Umsetzung in der Praxis. Die Fortsetzung folgt am Dienstag, den 24.08.2021. 

Quellen:

1Freuen, Stefan/Hoy, Steffen: So wirkt sich das Erstkalbalter auf die Lebensleitung aus, Milchpraxis 2/2020 (54. Jg.), S. 12-14.

2Gabler, M. T., Tozer, P. R. und Heinrichs, A. J. (2000): Development of a cost analysis spreadsheet for calculating the costs to raise a replacement dairy heifer. J Dairy Sci 83:1104-1109.

3Ettema, J.F., and J.E.P. Santos. 2004. Impact of age at calving on lactation,
reproduction, health and income in first-parity Holsteins on commercial farms.
J. Dairy Sci. 87:2730-2742.