In der Landwirtschaft und speziell in der Tierhaltung spielen die Themen Verantwortung für die Umwelt, Tierschutz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle. Und natürlich haben alle in der Landwirtschaft ein Interesse daran, dass ihre Arbeit auch in Zukunft anerkannt und respektiert wird. Über die Notwendigkeit sollte grundsätzlich kein Zweifel bestehen: Einzig und allein durch den Agrarsektor kann die Ernährung der Menschen sichergestellt werden.

Doch leider machen oft Schlagzeilen über Tierhaltung, Treibhausgasausstoß oder Fleischkonsum die Runde, die nur wenig fundiert sind, dafür umso mehr polarisieren und die Verbraucher verunsichern. Gleichzeitig sollten in einer sinnvollen Diskussion neben den ökologischen Aspekten auch weitere Faktoren berücksichtigt werden: Die Produktion der Nahrungsmittel muss grundsätzlich wirtschaftlich sein. Und es sollte politisch und gesellschaftlich definiert werden, welche Zielsetzung mit Blick auf Qualität, Quantität und Bezahlbarkeit der Lebensmittel zu verfolgen ist.

Man kann das Thema daher nicht nur eindimensional betrachten, sondern das „Gesamtpaket“ muss zukunftsfähig sein. Einige Punkte rund um die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft wollen wir daher genauer betrachten, um Klarheit zu schaffen!

  • Tierhaltung ist unverzichtbarer Teil einer nachhaltigen Landwirtschaft
  • Methan-Emissionen von Kühen sind Teil eines regenerativen Kreislaufs
  • Weide- und Grünfutterflächen sind effiziente Kohlenstoffspeicher
  • Fruchtbare Kühe sind ökonomisch und ökologisch!

Rinderhaltung: Nachhaltig oder Klimakiller?

Kühe auf Weide mit Windrädern

Immer wieder wird behauptet, landwirtschaftliche Tierhaltung sei nicht nachhaltig und gefährde das Klima. Aber tatsächlich ist auch die Tierhaltung ein wichtiger Faktor für eine sinnvolle Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Denn etwa 80 bis 85 Prozent der Pflanzenmasse, die in der Produktion entsteht, ist für den Menschen nicht direkt essbar.

  • Koppel- und Nebenprodukte
Im Klartext verdeutlicht: Wenn zum Beispiel Weizen für Brot und Gerste für Bier angebaut werden, entstehen zwangsläufig auch Koppelprodukte wie Stroh. In der Lebensmittelverarbeitung selbst entstehen in den Prozessen zum Beispiel Trester und Schrot als Nebenprodukte.

  • Nachhaltige Nutzung in der Viehhaltung
Diese Biomasse wird in unserem landwirtschaftlichen Produktionskreislauf nicht einfach vernichtet, sondern kann in der Viehhaltung sinnvoll genutzt werden. Zum Beispiel über den Einsatz als Futtermittel entstehen dann für den Menschen im nächsten Schritt hochwertige Nahrungsmittel wie Milch oder Fleisch.

  • Sinnvoller Ressourceneinsatz
Die Verbindung von Ackerbau und Tierhaltung in der Landwirtschaft ist damit grundlegend für einen sinnvollen und nachhaltigen Ressourceneinsatz sowie für eine effiziente Nutzung der Anbauflächen.

Kühe verursachen Treibhausgase! Oder nicht?

Als weiterer Kritikpunkt wird die Tierhaltung stets mit dem Verursachen von großen Mengen an Treibhausgasen in Verbindung gebracht. Wie ist diese Aussage zu beurteilen? Ja, grundsätzlich ist es korrekt, dass Landwirtschaft und Tierhaltung Emissionen verursachen. Hierbei sind jedoch zwei Dinge zu beachten: Erstens, um welche Mengen handelt es sich eigentlich? Und zweitens, aus welchen Quellen entstehen diese Treibhausgase?

  • Nur 3,4 Prozent der Emissionen durch Rinderhaltung
Die Zahlen des Umweltbundesamtes setzen die Größen ins richtige Verhältnis: 2020 wurden in Deutschland 739 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent* verursacht. Davon entfallen nur 8,1 Prozent auf die Landwirtschaft insgesamt und nur 3,4 Prozent auf die Rinderhaltung.

  • Methan ist Teil eines regenerativen Kreislaufs
CO2-Emissionen entstehen meist durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen (z. B. in Motoren), die nach der Freisetzung die Atmosphäre dauerhaft anreichern. Kühe verursachen dagegen bei der Verdauung vor allem Methan. Dieses wird in der Atmosphäre wieder in CO2 umgewandelt, welches dann von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Die Pflanzen können anschließend wieder als Tierfutter dienen. Die Emissionen der Tierhaltung sind also ein dauerhafter Bestandteil eines regenerativen Kreislaufs, der die Umwelt eben nicht zusätzlich belastet!

Kreislaufgebundene Emissionen aus der Tierhaltung müssen daher anders beurteilt werden als Emissionen „on top“, die aus fossilen Brennstoffen entstehen.

Weidehaltung von Tieren unterstützt die effiziente Kohlenstoffspeicherung.

Selbstverständlich entsteht durch Weide- und Grünfutterflächen für die Tierhaltung eine erhebliche Flächennutzung in unserer Umwelt. Doch wie ist diese gerade im Vergleich zu natürlichen Wäldern zu beurteilen?

  • Ackerböden speichern im obersten Meter pro Hektar etwa 101 Tonnen organischen Kohlenstoff.
  • Waldböden speichern im obersten Meter pro Hektar etwa 119 Tonnen Kohlenstoff.
  • Dauergrünlandböden speichern im obersten Meter durch ihren ganzjährigen Bewuchs im Durchschnitt sogar 200 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar!
  • Rechnet man beim Wald die oberirdischen Pflanzenteile hinzu, erreicht dieser insgesamt etwas mehr, nämlich ca. 230 Tonnen pro Hektar.

Weide- und Grünfutterflächen sind damit im Vergleich zum Wald sehr effiziente Kohlenstoffspeicher, zumal sie zusätzlich den entscheidenden Mehrwert der Nahrungsmittelproduktion mit einbringen, was beim Wald nicht der Fall ist.Graue Kuh mit Kopf durch Gitter

Nutztierhaltung ist insgesamt ein nachhaltiger Ansatz!

Tierhaltung ist ein Grundbestandteil einer nachhaltigen Lebensmittelerzeugung, denn die Wiederkäuer schaffen es, aus für Menschen unverdaulichen Pflanzen, wichtige Proteine in Form von Milch und Fleisch zu erzeugen – mit höherer Werthaltigkeit als es die pflanzlichen Ausgangsressourcen liefern können.

Ein weiterer Punkt: Gerade bei Rindern denkt man in erster Linie nur an Milch und Fleisch – also an Nahrungsmittel für die Menschen. Doch das ist nur eine unvollständige Betrachtung: Nutztiere produzieren nicht nur Nahrungsmittel, sondern sie liefern auch eine Vielzahl weiterer Produkte bis hin zu wichtigen Rohstoffen für Pharmazie und Industrie, wie z.B. Leder.

Nicht zu vergessen ist, dass das Futter zur Nutztierversorgung zu 95 % im Inland erzeugt wird (Wirtschaftsjahr 2019/20). Nur 4,6 % des Futters wurden importiert. Damit ernähren wir unsere Nutztiere viel regionaler als uns selbst, da wir etwa 20 % unserer Lebensmittel einführen!

Fruchtbare Kühe sind ökonomisch und ökologisch!

Darüber hinaus wird auch die Haltung der Nutztiere in Deutschland immer weiter verbessert. Tierwohl und Tierschutz sind längst fester Bestandteil des Tierhaltungsmanagements. Dies führt letztlich dazu, dass die Nutztierhaltung mit gesunden, fortpflanzungsstarken und leistungsfähigen Tieren immer effizienter wird.

Gerade die Fruchtbarkeit der Kühe hat einen erheblichen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Rinderhaltung. Schlechte Fruchtbarkeit ist einer der wichtigsten Gründe für Abgänge, während tragende Kühe gesünder und langlebiger sind und damit auch einen besseren „ökologischen Fußabdruck“ hinterlassen. Damit schließt sich der Kreis: Optimales Kälbermanagement und gesunde Kühe verbessern nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sondern tragen auch entscheidend zur Nachhaltigkeit bei.

Festzuhalten bleiben also jede Menge gute Gründe und stichhaltige Argumente für die Nutztierhaltung in unserem Land – nachhaltig, wirtschaftlich und zukunftsfähig!

Mehr zu diesem Thema erhalten Sie auch in der BRS Broschüre.

*CO2-Äquivalent ist die Maßgröße für das Treibhauspotenzial eines Stoffs. Kohlendioxid hat dabei den Wert 1, Methan z. B. den Wert 25, teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe haben teilweise Werte von über 10.000. Die Stoffe können somit verglichen werden.