Kälberdurchfall ist in der Milchviehhaltung ein häufiges Problem bei der Aufzucht der Jungtiere. Die Erkrankungen sollten in jedem landwirtschaftlichen Betrieb sehr ernst genommen werden, denn Kälberdurchfall wirkt sich auch langfristig negativ auf die Entwicklung, Leistung und Fruchtbarkeit der Tiere und damit auch auf den wirtschaftlichen Erfolg aus.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, Kälberdurchfall möglichst zu verhindern und beim Auftreten konsequent zu bekämpfen: Die Übertragbarkeit der Durchfallerkrankungen auf den Menschen als sogenannte Zoonosen.

Besonders im Fokus stehen dabei Rotaviren, Cryptosporidien und Salmonellen, die sowohl bei den Kälbern als auch beim Menschen Durchfall und weitere Erkrankungen auslösen können. Weiterhin sind Campylobacter- und Yersinien-Bakterien für Menschen nicht ungefährlich, während sie bei Kälbern und Rindern oft keine Erkrankung auslösen oder ohne Symptome verlaufen. Ähnliches gilt für verschiedene E. coli Stämme, die von Rindern übertragen werden und bei Menschen für Infektionen verantwortlich sind. Schauen wir uns die verschiedenen Erreger mit Zoonose-Potenzial etwas genauer an!

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- Rotaviren, Cryptosporidien und Salmonellen infizieren Menschen und Kälber

- Campylobacter und Yersinien lösen beim Menschen Erkrankungen aus

- Bakterielle Infektion durch E. coli Stämme STEC und EHEC

- Auch gesunde Tiere können Erreger mit Zoonose-Potenzial ausscheiden.

- Strenge Hygiene im landwirtschaftlichen Betrieb senkt Zoonose-Risiko

Rotaviren, Cryptosporidien und Salmonellen betreffen Mensch und Tier.

Viren, Parasiten und Bakterien sind die wesentlichen Erreger für Kälberdurchfall – und auch von allen diesen drei Erregerarten können Infektionen als Zoonose auf den Menschen übertragen werden. Speziell Rotaviren, Cryptosporidien-Parasiten und Salmonellen-Bakterien sorgen sowohl bei Kälbern als auch bei Menschen für Erkrankungen.

  • Rotaviren gehören bei den Kälbern zu den häufigsten Auslösern von Durchfall, oft im Zusammenspiel mit anderen Erregern, zum Beispiel Corona-Viren. Die Infektion erfolgt über den ausgeschiedenen Kot, der durch eine hohe Erregeranzahl die Umgebung kontaminiert. Über Berührungen oder verunreinigte Arbeitsgeräte können die Erreger leicht auf den Menschen übergehen.

  • Eine Rotavirus-Infektion gehört beim Menschen zu den häufigsten Ursachen für Durchfallerkrankungen insbesondere bei Kindern. Erwachsene sind durch in der Kindheit erworbene Immunität meist nur Überträger ohne eigene Symptome. Bricht die Infektion aus, kommt es zu starkem Durchfall, Erbrechen und Fieber. Es kann schnell zu hohem Flüssigkeitsverlust kommen, der unbedingt ausgeglichen werden muss, da es sonst sogar zu Todesfällen kommen kann.

  • Cryptosporidien sind parasitäre Einzeller. Die Kälber nehmen die Erreger meist oral über infizierte Oberflächen auf, zum Beispiel wenn sie an Stallwänden knabbern. Auf den Menschen ist die Übertragung der Erreger durch direkten Tierkontakt oder ebenfalls indirekt durch Berührung von Oberflächen oder infiziertem Wasser möglich. Auch der Kot der Tiere enthält Erreger und kann diese verbreiten, wenn trockener Kotstaub aufgewirbelt wird.

  • Die Cryptosporidiose als Erkrankung führt beim Menschen zu flüssigem Durchfall, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und leicht erhöhter Körpertemperatur. Sie kann jedoch auch ohne Symptome verlaufen, wobei die infizierte Person dann trotzdem Erreger mit dem Stuhl ausscheidet. Nach einer Woche ist die Erkrankung in der Regel folgenlos überstanden und gesunde Menschen bilden eine lebenslange Immunität gegenüber dem Erreger. Menschen mit Immunschwäche oder Säuglinge sind jedoch besonders gefährdet und die Krankheit kann hier länger und schwerer verlaufen.


  • Salmonellen sind Bakterien, die beim Menschen und bei Tieren Durchfallerkrankungen auslösen können. Die Kälber nehmen die Erreger in der Regel über kontaminiertes Wasser oder Futter auf und scheiden die Erreger über den Kot aus. Die Bakterien sind sehr widerstandsfähig und können je nach Umgebung über Monate überleben. In trockenem Kot sind die Erreger über zwei Jahre nachweisbar. Die Infektion vom Rind zum Menschen erfolgt daher oft auch über diesen Kontakt, zumal es Tiere gibt, die selbst keine Symptome zeigen aber als Dauerausscheider die Erreger verbreiten.

  • Die Salmonellose als Erkrankung gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen nach dem Infektionsschutzgesetz. Sie löst beim Menschen normalerweise Durchfall und Erbrechen aus, der einige Stunden oder Tage anhält. Bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit Immunschwäche kann die Erkrankung länger und schwerer verlaufen. Ebenso besteht bei einigen Bakterienstämmen die Gefahr, dass man auch als Mensch zum Dauerausscheider werden kann.

Campylobacter und Yersinien lösen beim Menschen Infektionen aus.

Die Bakterien der Art Campylobacter und Yersinien spielen als Erreger für Kälberdurchfall bisher keine wesentliche Rolle, da sie zur natürlichen Darmflora der Tiere gehören. In Experimenten mit bestimmten Stämmen dieser Erreger konnte allerdings auch bei Kälbern Durchfall ausgelöst werden. Insgesamt ist jedoch die Gesundheit der Tiere hier nicht das Problem, sondern in der Tat die Übertragung der Erreger auf den Menschen, die zum Beispiel durch Kotkontakt erfolgen kann.

  • Campylobacter-Bakterien können als Erkrankung beim Menschen Campylobacter-Enteritis bzw. Campylobacteriose auslösen. Die Symptome sind vor allem Bauchschmerzen und -krämpfe, Übelkeit, Fieber und Durchfall, der sogar wässrig-blutig sein kann. Die Krankheit verläuft meistens ohne Komplikationen und klingt von selbst wieder ab. In einigen Fällen kann es aber auch zu chronischen Infektionen kommen. Kinder, alte Menschen und Personen mit schwachem Immunsystem sind besonders gefährdet.

  • Yersinien-Bakterien lösen beim Menschen als Erkrankung Yersiniose aus. Als bakterielle Magen-Darm-Infektion zeigt sie Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber. Bei älteren Kindern und Jugendlichen kann es zu Schwellungen der Lymphknoten, bei Erwachsenen auch zu Rachenentzündung und grippeähnlichen Symptomen kommen. Menschen mit Immunschwäche sind stärker gefährdet, da sich bei ihnen auch Organentzündungen entwickeln können (z. B. Leberabszess). Sonst klingt die Infektion in der Regel von selbst ab – wichtig ist es, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Schwere blutige Durchfälle durch E. coli Stämme STEC und EHEC.

Escherichia-Coli-Bakterien (E. coli) sind natürlich vorkommende Keime, die bei vielen Säugetieren und auch beim Menschen Bestandteil der gesunden Darmflora sind. Es gibt jedoch nicht nur eine einzige Art von E. coli, sondern viele verschiedene Stämme dieser Bakterien – und einige von diesen Stämmen können Durchfall und andere Erkrankungen auslösen.

Bei Kälbern sind zum Beispiel die enterotoxischen E. coli unter der Bezeichnung ETEC als Auslöser von Kälberdurchfall bekannt. Demgegenüber kommen die E. coli Stämme STEC und EHEC bei Rindern, Schafen und Ziegen natürlicherweise im Darm vor. Sie lösen bei den Tieren keinen Durchfall aus, doch sie können als Zoonose beim Menschen schwere Erkrankungen verursachen: STEC ist verantwortlich für schweren Durchfall, ETEC kann zu schwerem blutigem Durchfall und sogar zu Nierenversagen führen.

STEC- und EHEC-Keime können vom Tier auf den Menschen und von Mensch zu Mensch übertragen werden und sie sind auch eine ernste Gefahr in Milch- und Fleischproduktion, wenn die Lebensmittel durch diese Keime verunreinigt werden.

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Zoonose-Risiko senken: Hygiene ist oberstes Gebot!

Es bleibt festzuhalten, dass Kälberdurchfall nicht nur die Tiere und den Erfolg eines landwirtschaftlichen Betriebs betrifft, ist, sondern durch das Zoonose-Potenzial bestimmter Erreger auch für die Menschen im Umfeld zum Problem werden kann.

Um das Zoonose-Risiko zu senken, ist daher die Hygiene im Stall und im Umgang mit den Tieren oberstes Gebot. Wenn die Desinfektion von Arbeitsgeräten oder Stalleinrichtungen bei den Kälbern Erkrankungen vorbeugt, so gilt dies im Prinzip auch für alle, die dort arbeiten und mit den Tieren direkt oder indirekt in Kontakt kommen. Sorgsame Hygiene schützt also Mensch und Tier!

Mehr über die möglichen Hygienemaßnahmen zum Schutz vor Kälberdurchfall lesen Sie auch in unseren Beiträgen speziell zum Kälberdurchfall sowie zur Kälberresilienz!