Die Milchleistung sinkt, das Haarkleid wird stumpf und struppig, vermehrte Durchfälle, starke Gewichtsabnahme und ein allgemeiner Leistungsabfall – Parasiten greifen den Organismus von unseren Tieren stark an. Aber wie kommen die Nematoden und Würmer zum Tier?

Auf der Weide können die Larven der Parasiten auf den Grashalmen sitzen und gelangen durch das Weidefutter in den Körper unserer Nutztiere. Ohne Behandlung überleben diese Parasiten im Tier. Die Eier werden durch den Kot wieder ausgeschieden. Der Kreislauf der Parasitenübertragung beginnt. Andere Schädlinge setzen sich auf das Fell und die Haut der Tiere und bedienen sich oberflächlich an ihren Wirten. Von hier aus schwächen sie ihn und können sich weiter vermehren.

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Parasitenbefall vorbeugen und richtig behandeln

Um optimal gegen einen Parasitenbefall der Herde vorzugehen, gibt es verschiedene Maßnahmen, die sich alle gegenseitig ergänzen sollten:

  • Intelligentes Weidemanagement
  • Guter gesundheitlicher Zustand der Tiere durch ausreichende Versorgung mit Nähr- und Mineralstoffen
  • Geringe Besatzdichten für eine verlangsamte Verbreitung
  • Regelmäßige Kotproben und Kontrolle des Parasitenstatus
  • Gezielte Entwurmung1

Zu dem strategischen Weidemanagement gehört nicht nur der regelmäßige und durchdachte Wechsel der Weide, der dem Entwicklungszyklus der Parasiten entgegengesetzt erfolgen sollte.1 Es gilt auch zu beachten, dass junge Tiere in ihrer ersten Saison nicht mit den Älteren auf einer Weide stehen sollten. Daneben ist das Ausbringen der Tiere direkt in der Früh nicht empfehlenswert. Die Larven bevorzugen das feuchte Gras. Außerdem kann frischer Stallmist und Gülle auf den Weiden die Verbreitung von Parasiten verstärken. Dadurch werden die Eier in dem Kot dort verteilt, wo andere Tiere grasen.
Neben dem Weidemanagement gehört zu der richtigen Parasitenbekämpfung auch die Behandlung mit den passenden Präparaten. Bei den Möglichkeiten der Entwurmung der Tiere gibt es neben den verschiedensten Wirkstoffen auch noch unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten.

Endektozide als Injektion – die Vorteile sprechen für sich

Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die als Injektionslösung für Rinder zur Verfügung stehen. Wichtig ist dabei die Resistenzlage im Blick zu behalten und natürlich auf etwaige Wartezeiten auf Milch und essbares Gewebe zu achten. Fragen Sie hierzu Ihren Hoftierarzt!
Generell gilt, die Anwendung von Pour on Präparaten zur Entwurmung ist zwar weit verbreitet und einfach in der Umsetzung, bringt aber einige Risiken mit sich. Im Gegensatz dazu hat sich der Einsatz von Injektionslösungen zur Behandlung der Tiere nicht nur als besonders effektiv herausgestellt, sondern gleichermaßen auch als effizient.2

Im Vergleich zu den üblichen Pour-On Methoden hat die Injektionslösung folgende Vorteile:

  • Präzise Dosierung und einfache Anwendung
  • Keine Wirkstoffverluste durch Belecken anderer Tiere und Wettereinflüsse
  • Hohe Bioverfügbarkeit
  • Wirkstoffaufnahme deutlich höher als bei einer Pour-on Anwendung
  • Weniger Kosten für den Landwirt
  • Geringere Belastung für die Umwelt

Weniger Wirkstoff bei höherer Leistung am Beispiel von Eprinomectin

Bei der Eprinomectin Injektionslösung wird nur eine sehr geringe Menge des Produktes benötigt. Zum einen ist die Konzentration der Injektionslösung höher als bei Pour-on Produkten. Zum anderen kann mehr Wirkstoff aufgenommen werden, da der injizierte Wirkstoff effizienter verstoffwechselt wird und dem Körper somit mehr Wirkstoff an dem Ort der Wirkung (Darm und Haut) zur Verfügung steht. Außerdem geht kein Wirkstoff durch das Belecken anderer Tiere verloren und auch Regen kann das Produkt nicht aus dem Fell waschen und dadurch wird die Aufnahme nicht beeinträchtigt. Durch die hohe Bioverfügbarkeit kommt mehr von dem eingesetzten Mittel an den Ort , wo es auch benötigt wird. Das bedeutet: weniger eingesetzter Wirkstoff bei einer höherer Wirkung. Dadurch spart der Landwirt nicht nur Geld, gleichzeitig wird auch die Umwelt weniger belastet als bei der Nutzung von Pour-On Produkten.

Einfache und schnelle Anwendung

Die Anwendung mithilfe der Spritze ist schnell und unkompliziert. Durch die passenden Applikatoren können einfach sowohl die großen als auch die kleinen Wiederkäuer mit der passenden Dosierung behandelt werden. Fragen Sie nach geeigneten Präparaten und Hilfsmitteln Ihren Hoftierarzt.
Die Endektozid-Behandlung spielt auch heute noch eine wichtige Rolle in der Rinderhaltung. Das Tierwohl wird dadurch verbessert, der Gesundheitsstatus einer Herde stabilisiert und bessere wirtschaftliche Erfolge bei Milchproduktion und Mast erreicht. Das alte Konzept der Pour-On Behandlung sollte unter Umständen überdacht und mit dem Hoftierarzt besprochen werden. Denn der Einsatz von Injektionslösungen bringt viele Vorteile mit sich.

Die richtigen Tiere zur Behandlung finden

Aufgrund vermehrter Resistenzbildungen ist es sinnvoll nur die Tiere zu behandeln, die es auch benötigen.
Um herauszufinden, wo eine Entwurmung notwendig ist, kann der Landwirt die behandlungswürdigen Tiere anhand folgender Faktoren auswählen:

  • Weniger als 200 Tage in Milch
  • Geringere Milchleistung als der Durchschnitt der Herde
  • Durchfälle
  • Stumpfes, struppiges Fell
  • Gewichtsabnahme
  • Veränderungen der Schleimhäute

    Natürlich können diese Erscheinungsbilder auch andere Ursachen haben, wie beispielsweise zunehmendes Alter oder auch Krankheit. Es ist in jedem Fall sinnvoll, einen Tierarzt hinzuzuziehen, der eine selektive Entwurmungsstrategie anhand der erwähnten Faktoren entwickelt und z.B. gezielt Kotproben untersucht.

    Sobald die erfolgreiche Entwurmung geschehen ist, kann wieder mit einer erhöhten Leistung und einer gesteigerten Tiergesundheit gerechnet werden!

    In unserem nächsten Beitrag zum Thema Entwurmung geben wir Ihnen einige Tipps wie die richtigen – also die Behandlungswürdigen – Tiere in Ihrer Herde identifizieren.

    Quellen:

    1 Bordes, L., Dumont, N., Lespine, A., Souil, E., SUTRA, J.F., Prevot, F., Grisez, C., Romanos, L., Dailledouze, A., Jacquiet, P., 2019. Rapid selection of multiple-resistance to eprinomectin and benzimidazole in a dairy goat farm. In: Presented at the 27th Conference of the World Association for the Advancements of Veterinary Parasitology (WAAVP 2019). Madison (USA). pp. 272.

    2 Kenyon F, Greer AW, Coles GC, Cringoli G, Papadopoulos E, Cabaret J, Berrag B, Varady M, Van Wyk JA, Thomas E, Vercruysse J, Jackson F. The role of targeted selective treatments in the development of refugia-based approaches to the control of gastrointestinal nematodes of small ruminants. Vet Parasitol. 2009 Sep 16;164(1):3-11. doi: 10.1016/j.vetpar.2009.04.015. Epub 2009 Apr 15. PMID: 19450930.