Jedes Kalb ist ein Stück Zukunft für den Betrieb.
Umso ärgerlicher ist es, wenn Krankheiten, Wachstumsrückstände oder sogar Verluste diese Zukunft gefährden. Die gute Nachricht: Viele Risiken lassen sich durch ein durchdachtes Management deutlich reduzieren. Dabei beginnt Kälbergesundheit früher, als viele vermuten. Die Grundlage für einen erfolgreichen Start ins Leben wird bereits während der Trächtigkeit und rund um das Abkalben gelegt.
Eine besondere Rolle spielt dabei die sogenannte Transitphase. Sie umfasst die letzten Wochen vor sowie die ersten Wochen nach dem Abkalben. In dieser Zeit wird die Kuh auf den Übergang von der Trockenstehzeit zur Laktation vorbereitet. Gleichzeitig werden wichtige Voraussetzungen für die Vitalität des Kalbes und die Kolostrumqualität geschaffen.
Eine bedarfsgerechte Fütterung, komfortable Haltungsbedingungen und die Reduzierung von Stressfaktoren unterstützen die Gesundheit der Kuh und fördern optimale Bedingungen für die Entwicklung des ungeborenen Kalbes. Denn gesunde Kälber entstehen nur selten zufällig. Vielmehr sind sie das Ergebnis vieler richtiger Entscheidungen, die bereits vor der Geburt getroffen werden.
Schritt 1: Dem Kalb vor der Geburt die besten Voraussetzungen schaffen
Die Versorgung tragender Kühe beeinflusst nicht nur den Gesundheitszustand der Mutter, sondern auch die Entwicklung des Kalbes. Besonders in den letzten Trächtigkeitswochen wächst der Fötus stark, während gleichzeitig die Kolostrumbildung vorbereitet wird. Eine ausgewogene Versorgung mit Energie, Protein, Mineralstoffen und Spurenelementen bildet daher die Grundlage für vitale Kälber und einen erfolgreichen Start nach der Geburt.
Mehr zum Thema:
Sie möchten mehr über das Management von Transitkühen erfahren? In unserem Beitrag "Frischmelker im Fokus – Stoffwechsel verstehen, Krankheiten vermeiden, Leistung sichern" erfahren Sie, welche Faktoren rund um Abkalbung und Trockenstehphase den Grundstein für gesunde Kälber legen.
Schritt 2: Die ersten Stunden entscheiden
Nach der Geburt beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Anders als viele andere Säugetiere kommen Kälber nahezu ohne maternale Antikörper zur Welt und sind daher auf die Aufnahme von Kolostrum angewiesen. Die enthaltenen Immunglobuline bilden die Grundlage für die passive Immunität in den ersten Lebenswochen. Nach etwa 6 Stunden beginnt sich die Aufnahmefähigkeit für Antikörper zu verringern. Deshalb sollte die Kolostrumaufnahme immer kontrolliert werden!
Auf die "4 Qs" kommt es an:
- Quickly: möglichst früh nach der Geburt tränken. (Die höchsten Antikörpergehalte enthält die Milch in den ersten 2 Stunden nach der Geburt.)
- Quantity: ausreichend Kolostrum verabreichen.
- Quality: auf eine hohe Kolostrumqualität achten.
- Cleanliness: hygienisch gewinnen, lagern und verfüttern.
Mehr zum Thema:
Wie gutes Kolostrummanagement in der Praxis aussieht und worauf es bei Qualität, Menge und Zeitpunkt ankommt, lesen Sie in unserem Beitrag "Für gesunde Kälber - die optimale Versorgung mit Kolostrum".
Schritt 3: Den Infektionsdruck von Beginn an niedrig halten
Eine gute Kolostrumversorgung allein reicht nicht aus. Ebenso wichtig ist es, den Kontakt mit Krankheitserregern möglichst gering zu halten. Saubere Abkalbebuchten, trockene Einstreu, hygienische Tränkeutensilien und eine konsequente Reinigung der Kälberunterkünfte helfen dabei, Infektionen vorzubeugen und den Gesundheitsstatus der Kälber zu stabilisieren.
Mehr zum Thema:
Welche Rolle Biosicherheit und Hygienemanagement bei der Kälberaufzucht spielen, erläutern wir ausführlich in "Hygiene und Haltungsbedingungen im Kälberstall verbessern".
Schritt 4: Gesundheitssignale früh erkennen
Je früher Probleme erkannt werden, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Deshalb sollten Kälber täglich aufmerksam beobachtet werden. Veränderungen bei der Tränkeaufnahme, hängende Ohren, Durchfall, Husten oder ein reduziertes Aktivitätsniveau können erste Hinweise auf eine Erkrankung sein. Frühzeitiges Handeln verhindert häufig, dass sich aus einem kleinen Problem ein größerer Gesundheitsverlust entwickelt.
Mehr zum Thema:
Früh erkannt ist oft halb behandelt. Welche Warnsignale besondere Aufmerksamkeit verdienen, erfahren Sie in unserem Beitrag "Kälberkrankheiten bekämpfen: Wichtige Fakten über Krankheiten bei Kälbern!".
Schritt 5: Prävention konsequent in den Alltag integrieren
Erfolgreiche Kälberaufzucht besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme, sondern aus vielen ineinandergreifenden Bausteinen. Vom Management der tragenden Kuh über das Kolostrummanagement bis hin zu Hygiene, Tierbeobachtung und betriebsindividuellen Gesundheitskonzepten gilt: Jeder einzelne Schritt trägt dazu bei, Verluste zu reduzieren und gesunde, leistungsfähige Kälber aufzuziehen.
Mehr zum Thema:
Wie ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement dabei helfen kann, Kälberverluste langfristig zu reduzieren, lesen Sie in "Mit gutem Management die Widerstandsfähigkeit von Kälbern steigern!".
Fazit: Viele kleine Schritte, eine große Wirkung
Gesunde Kälber entstehen nicht durch Zufall. Wer bereits vor der Geburt ansetzt, auf eine optimale Kolostrumversorgung achtet, den Infektionsdruck geringhält und Gesundheitsprobleme früh erkennt, schafft die Grundlage für widerstandsfähige und leistungsfähige Tiere. Jeder dieser Schritte zahlt sich langfristig für die Tiergesundheit ebenso wie für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs aus.
Welche Maßnahmen direkt nach der Geburt den größten Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Kälber haben, lesen Sie im Beitrag "Kälber optimal versorgen: Erfolgreiche Kälberaufzucht von Geburt an!".
FAQ
Wie kann ich Kälberverluste auf meinem Betrieb am effektivsten reduzieren?
Kälberverluste lassen sich am wirksamsten durch mehrere Maßnahmen reduzieren, die ineinandergreifen. Dazu gehören ein gutes Management der tragenden Kuh, eine frühzeitige und hochwertige Kolostrumversorgung, konsequente Hygiene sowie die tägliche Beobachtung der Tiere.
Warum ist die Kolostrumversorgung so wichtig?
Kälber kommen nahezu ohne eigene Antikörper zur Welt und sind in den ersten Lebenswochen auf den Immunschutz aus dem Kolostrum angewiesen. Hochwertiges Kolostrum liefert wichtige Immunglobuline, die das Kalb vor Krankheitserregern schützen. Entscheidend sind dabei die Qualität, die Menge, der Zeitpunkt der Verabreichung und eine hygienische Handhabung.
Welche Anzeichen deuten auf ein krankes Kalb hin?
Landwirtinnen und Landwirte sollten insbesondere auf Veränderungen bei der Tränkeaufnahme, hängende Ohren, Durchfall, Husten, Nasenausfluss oder eine verminderte Aktivität achten. Solche Anzeichen können erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme sein.
Quellen:
1 University of Minnesota Extension. Managing and Monitoring the Health of Transition Dairy Cows. Verfügbar unter: https://extension.umn.edu/dairy-milking-cows/transition-dairy-cows (abgerufen am 25.08.2026).
2 Netzwerk Fokus Tierwohl. Kolostrumversorgung von Kälbern. Verfügbar unter: https://www.fokus-tierwohl.de/de/rind/fachinformationen-kaelber/kolostrumversorgung (abgerufen am 25.08.2026).
3 Kumar R., Jaiswal A., Singh K.D., Srivastav A. Calf Health Management Practices. In: Clinical Diseases, Production, and Management of Cattle. Elsevier. DOI: 10.1016/B978-0-443-28878-4.00045-5.