Damit junge Kälber zu leistungsstarken Milchkühen oder erfolgreichen Mastbullen heranwachsen, ist eine optimale Kälberversorgung in allen Bereichen rund um die Aufzucht anzustreben.

Dazu gehören zu Beginn schon die bestmögliche Haltung der trächtigen Mutterkühe und die Unterstützung beim Abkalben. Mehr dazu lesen Sie gerne auch in unserem Beitrag zur optimalen Kälberversorgung. Weitere ganz wesentliche Themen sind nach der Geburt die schnelle und reichliche Versorgung mit Biestmilch in den ersten Tagen und im Anschluss die richtige Fütterung der Jungtiere. Mehr dazu in unserem Artikel über Kolostrumversorgung und Fütterung.

Doch für die optimale Kälberentwicklung sind noch zwei weitere Themen sehr wichtig: Hygiene und ganz allgemein die Haltungsbedingungen. Krankheitserreger wie Bakterien und Viren haben leichtes Spiel, wenn die Sauberkeit im Stall nicht stimmt. Schlechte Haltungsbedingungen setzen die Tiere unter Stress und begünstigen weitere Erkrankungen. Worauf bei Hygiene und Haltung der Kälber deshalb zu achten ist, darauf möchten wir jetzt etwas genauer eingehen.

  • Sauberkeit in Abkalbebox und Kälberstall jederzeit sicherstellen
  • Durch Hygiene den Infektionsdruck im Kälberstall senken
  • Haltungsbedingungen für Kälber verbessern
  • Stalleinrichtungen optimieren, Stressfaktoren reduzierenKälber draußen am Stallgitter

Hygiene im Kälberstall ist wichtige Grundvoraussetzung

Sauberkeit und Hygiene im Kälberstall, auch im Umgang und bei der Arbeit mit den Kälbern, ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die Gesundheit der Tiere.

Dabei kann man allgemein davon ausgehen, dass die meisten Krankheitserreger insbesondere für Kälbergrippe und Kälberdurchfall in so gut wie jedem Kälberstall nachweisbar sind. Entscheidend ist jedoch auch die Menge der Bakterien, Viren und Parasiten, die durch Hygienemaßnahmen reduziert und auf niedrigem Niveau gehalten werden können. Damit sinkt der Infektionsdruck im Kälberstall und das Risiko von Erkrankungen für die Kälber.

Bestmögliche Hygiene in der Abkalbebox

Direkt nach der Geburt wird das Kalb sofort mit den Viren, Bakterien und Parasiten seiner Umgebung konfrontiert. Problematisch ist in dieser Situation, dass das Neugeborene noch keine Immunabwehr aufgebaut hat. Umso wichtiger ist die strikte Hygiene im Abkalbebereich und auch bei der Geburtshilfe.

  • Abkalbeboxen immer reinigen und frisch einstreuen, regelmäßig misten und nachstreuen. Kot und Urin entfernen, damit die Vermehrung von Krankheitserregern verhindert wird. Untergrund trocken halten.
  • Verschmutzte Kühe vor dem Abkalben waschen und von Kot befreien, damit die Neugeborenen beim Belecken keinen Kot aufnehmen.
  • Abtrennungen und Wände der Box vor dem Abkalben reinigen, da die Kälber diese häufig belecken. Leicht zu reinigende Oberflächen wie Metall oder Kunststoff verwenden.
  • Niedrige Besatzdichte in der Abkalbebox. Je mehr Kühe in der Abkalbebox gehalten werden, desto höher ist der Keimdruck für die neugeborenen Kälber.

Sorgfältige Reinigung der Ställe ist die Basis

Die allgemeine Reinigung der Ställe ist die Basis für die Hygiene und sollte daher gründlich und konzentriert durchgeführt werden.
  • Ställe ausmisten und anschließend mit Hochdruckreiniger groben Schmutz, Einstreu und Futterreste entfernen, bei Bedarf vorher einweichen. Bei der Arbeit mit dem Hochdruckreiniger darauf achten, dass Spritzwasser nicht in anderer Stallbereiche gelangt und Aerosolbildung vermieden wird. Mobile Einrichtungen wie Kälberiglus daher auf Freiflächen möglichst entfernt von Tieren reinigen und desinfizieren. Sonst eher mit einem Wasserschlauch und Scheuerbesen arbeiten.
  • Stall mit Reinigungsmittel säubern und einwirken lassen, zum Beispiel Schaumreiniger verwenden, um den Biofilm aus Eiweiß und Fetten zu lösen. Anwendungshinweise der Hersteller beachten, damit die Reinigungsmittel auch tatsächlich wirken.
  • Mit Wasser alles ausspülen. Fall nötig, Reinigungsvorgang stellenweise wiederholen.
  • Stall trocknen lassen.
  • Stallbrache einplanen: Gereinigte Ställe sollten mehrere Tage leer stehen, damit die Keimbelastung weiter reduziert wird.
  • Leere Kälberiglus sollten umgedreht in die Sonne gestellt werden, da dies zusätzlich eine desinfizierende Wirkung hat.

Erst reinigen, dann desinfizieren

Damit eine Desinfektion wirken kann, müssen die Oberflächen im Kälberstall sauber und trocken sein. Deshalb muss erst gereinigt werden, bevor desinfiziert werden kann. Grundsätzlich dient Desinfektion zur Vorbeugung von Erkrankungen.

Temperaturabhängigkeit der Desinfektionsmittel beachten - bei Kälte kann die Wirkung eingeschränkt sein.

Desinfektionsmittel an Krankheitserreger anpassen

  • Extrem widerstandsfähige Erreger wie Kryptosporidien oder Eimerien als Auslöser von Kälberdurchfall müssen mit speziellen Desinfektionsmitteln bekämpft werden. Geeignete Mittel siehe DVG-Liste!
  • Auch auf Schadnager und Fliegen achten und diese bekämpfen, damit die mögliche Krankheitsübertragung reduziert wird.

Hygiene im täglichen Umgang mit den Kälbern

Nicht nur die Stallbereiche und Kälberboxen selbst müssen sauber gehalten werden, sondern auch die Stallgeräte, technischen Anlagen und die persönliche Ausrüstung der Personen, die mit den Kälbern in Kontakt sind.

  • Geräte und Zubehör regelmäßig reinigen und ggf. desinfizieren. Jedes Kalb sollte seinen eigene Tränkeeimer haben, um Keimübertragungen vorzubeugen.
  • Regelmäßige Reinigung der Tränkeautomaten durchführen und auf Hygiene und Sauberkeit bei der Zubereitung von Milchaustauschern und bei der Milchtränke achten.
  • Hygiene bei Arbeitsabläufen beachten: erst gesunde Tiere versorgen, kranke Tiere erst zum Schluss.
  • Sauberkeit der Arbeitskleidung sicherstellen, regelmäßig reinigen und tauschen nach Kontakt mit erkrankten Tieren. Schutzkleidung und Latex-Handschuhe benutzen.
  • Personenkreis mit Zugang zu den Kälbern begrenzen – der Kälberstall ist kein Streichelzoo!
    Kühe in Abkalbebox im Stall

Optimale Haltungsbedingungen für die Kälber schaffen

Für die Kälberhaltung sind verschiedenste Haltungsformen möglich, zum Beispiel in Außenklimastallsystemen, Warmställen oder in Kälberiglus/Kälberhütten. Egal, welche Voraussetzungen in einem Betrieb bestehen oder ob eine Umstellung sinnvoll wäre – in jedem Fall sollte auf die bestmöglichen Haltungsbedingungen hingearbeitet werden. Dabei sind ganz generell eine Reihe von Hinweisen zu beachten:

Platzbedarf pro Kalb
Allgemein sollte jedes Kalb ein ausreichendes Platzangebot zur Verfügung haben. Eine angemessene Empfehlung sind mindestens 3 qm pro Tier. Überbelegungen können zu Stress führen und sollten vermieden werden.

Stalleinrichtungen und Kälberboxen modernisieren
Veraltete Kälberboxen, die fest montiert sind, erschweren die Reinigung und Desinfektion. Ebenso sollten Boxenwände oder Lattenroste aus Holz gegen Metall oder Kunststoff ausgetauscht werden. Hölzerne Bauteile sind schwer zu reinigen und können mit der Zeit zu Brutstätten für Viren, Bakterien und Parasiten werden.

Stallklima verbessern
Im Stallbereich für regelmäßigen Luftaustausch sorgen. Dabei gilt es, Zugluft zu vermeiden. Der Luftaustausch hat das Ziel, die Konzentration von Schadgasen wie Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid zu verhindern. Gleichzeitig müssen Staub und Luftfeuchtigkeit abgeführt werden. Regelmäßiges Ausmisten reduziert ebenfalls die Ammoniakbelastung. Sind diese Kriterien nicht erfüllt, können Atemwegs- und Lungenerkrankungen bei den Kälbern begünstigt werden.

Auf „Kleinklimazonen“ achten
Bei offenen Ställen wird der Luftaustausch erleichtert. Dennoch benötigen gerade junge Kälber einen Rückzugsraum, der sie vor Zugluft, Wind und Regen schützt. Durch zusätzliche Abtrennungen können geschützte „Kleinklimazonen“ eingerichtet werden. Beim Einbau ist zu beachten, dass Entmisten und Reinigung trotz der Abtrennungen gut möglich sind. Gute Kleinklimazonen können auch durch Kälberiglus oder Hütten erreicht werden.

Haltung in Iglus oder Kälberhütten
Bei Einzeliglus ist auf eine großflächige Überdachung zu achten, um ein Aufheizen in praller Sonne oder Nässe wegen fehlendem Regenschutz zu verhindern. So haben die Kälber auch außerhalb ihres Iglus einen trockenen Liegebereich. Die Iglus oder Hütten sollten so platziert werden, dass die Kälber gut zu beobachten und leicht erreichbar sind. Die Unterkünfte sollten leicht zu reinigen und einfach umsetzbar sein.

Stressfaktoren reduzieren
Ob Platzbedarf, Frischluftversorgung oder Umgebungstemperatur – wenn die Bedingungen nicht stimmen, setzt dies die Kälber unter Stress. Ebenso sind Einzelmaßnahmen wie Impfungen, Umstallungen, Wiegen, Enthornung, Abtränken und Futterumstellung sehr belastend für die Tiere. Maßnahmen daher im Voraus planen, niemals mehrere Stressfaktoren gleichzeitig durchführen und mehrere Tage zur „Erholung“ zwischen den Maßnahmen vorsehen.

Quarantäne für zugekaufte Tiere
Bei Betrieben mit Zukauf sollten die neuen Tiere zunächst in Quarantäneställen gehalten werden, um die vorhandenen Tiere zu schützen. Gleichzeitig auch bei diesen Tieren unbedingt sämtliche Stressfaktoren minimieren, allein der Transport war für diese Kälber schon eine extreme Belastung. Haltungsart und Futter daher zunächst möglichst so weiterführen, wie es die Tiere vorher gewohnt waren.

Investitionen in Hygiene und Haltungsbedingungen lohnen sich!

Immer wieder sollte man sich vor Augen führen, dass die Kälber die Zukunft eines landwirtschaftlichen Betriebs sind. Wenn daher die Kälberhaltung in allen Bereichen der Hygiene und Haltungsbedingungen Schritt für Schritt verbessert wird, trägt dies entscheidend zu einem gesunden Heranwachsen der Kälber und späteren leistungsfähigen Kühen bei.

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