Gesunde und leistungsfähige Tiere für die Bestandsergänzung sind die Basis für eine erfolgreiche Milchproduktion. Nach wie vor zieht ein Großteil der Milcherzeuger das Jungvieh auf dem eigenen Betrieb auf. Auch wenn sich viele Landwirte aufgrund der hohen Färsenaufzuchtkosten zunehmend überlegen, die Jungviehaufzucht auszulagern, gibt es klare Argumente, die für die eigene Nachzucht sprechen:

  • Wird das Jungvieh im eigenen Stall aufgezogen, ist der Einfluss auf die Qualität am größten. So hat es jeder selbst in der Hand, Erkrankungen im Kälberalter wie Lungenentzündung und Durchfall vorzubeugen.
  • Aufgrund ihrer Abwehr gegen bestandsspezifische Erreger gliedert sich die eigene Nachzucht gut in die Herde ein.
  • Der Zukauf von Rindern birgt das Risiko der Einschleppung von Krankheiten.
  • Wer jetzt seine Jungviehzucht auslagert, muss in zwei Jahren die ersten Färsen zukaufen. Wie sich der Marktpreis für Färsen in dieser Zeit entwickeln wird, lässt sich nicht voraussehen.

Ist die Entscheidung für die Eigenremontierung (Bestandsergänzung) gefallen, gibt es verschiedene Wege: In manchen Betrieben wird jedes weibliche Kalb für die Remontierung eingesetzt, in anderen dagegen wird genau selektiert und nur so viel Jungvieh wie nötig aufgezogen.Braun weißes Jungrind streckt Kopf gen Kamera

Herausforderung Remontierung

Zuallererst stellt sich die Frage, wie viel weibliches Jungvieh für die eigene Remontierung benötigt wird. Diese Zahl ist betrieblich sehr unterschiedlich und hängt im Wesentlichen von der Remontierungsrate, dem Erstkalbealter und den Aufzuchtverlusten ab. Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (siehe Tabelle unten) hat anhand eines Betriebes mit 100 Milchkühen folgendes berechnet:

Im Durchschnitt benötigt ein Milchviehbetrieb mit 100 Kühen, 20 % Remontierungsrate und einem Erstkalbealter (EKA) von 24 Monaten einen Jungviehbestand von 40 Tieren. Im Vergleich dazu hält ein Betrieb mit 40 % Remontierung und 32 Monaten Erstkalbealter im Schnitt 107 Stück weibliches Jungvieh im Stall. Das macht einen Unterschied von 67 Stallplätzen.

Die Modellrechnung der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigt deutlich, dass das Erstkalbealter einen wesentlichen Einfluss auf die Größe des Jungviehbestandes hat. Bei einem höheren Erstkalbealter steigt auch die Zahl der weiblichen Jungtiere an. Das Erstkalbealter und die Remontierungsrate sind somit Stellschrauben, an denen Sie drehen können, um die Kosten der Jungviehaufzucht so gering wie möglich zu halten. Aufzuchtverluste sind in der Rechnung des LfL noch nicht mitberücksichtigt.

Tabelle_LfLIn Milchvieherden sollte eine Remontierungsrate, also eine Ergänzung durch Jungkühe, von 25 bis 30 % erreicht werden. Wenn der Anteil deutlich höher liegt und keine Aufstockung des Bestandes erfolgt, ist die Nutzungsdauer der Kühe betriebswirtschaftlich nachteilig. Wenn Sie eine Aufstockung planen, sollten möglichst alle weiblichen Kälber aufgezogen werden. So müssen Sie kein Jungvieh zukaufen und können die besten Tiere Ihrer Herde auswählen.

Fazit

Meist sind die Remontierungskosten nach den Futterkosten der zweitgrößte Kostenpunkt in den Betrieben. Eine optimale Jungviehaufzucht ist aber die Voraussetzung für gesunde, leistungsfähige und langlebige Kühe. Grundsätzlich sind es verschiedene wichtige Faktoren, die Sie berücksichtigen sollten und die Ihnen bei der Planung und Umsetzung helfen können. Entscheidend sind vor allem die betriebsindividuellen Gegebenheiten, die Tierqualität und der finanzielle Aspekt.

Quelle:
Lfl Bayern