Zysten bei Kühen: Ursachen für Eierstockzysten kennen, vorbeugen, behandeln und wirtschaftliche Schäden vermeiden!

In unserem ersten Beitrag über Eierstockzysten bei Kühen haben wir beschrieben, wie die Zysten bei den Tieren entstehen und wie man als Landwirt Kühe mit Zysten erkennen kann. Doch welches sind die tatsächlichen Ursachen für Eierstockzysten bei Kühen? Welche vorbeugenden Maßnahmen gegen Zysten kann man ergreifen und wie kann im akuten Fall behandelt werden?

Auf jeden Fall sind Zysten im landwirtschaftlichen Betrieb ein ernsthaftes Thema, spätestens wenn nicht nur einzelne Tiere betroffen sind, sondern die Zystenproblematik bei großen Teilen des Tierbestands auftritt: Die von Zysten betroffenen Tiere haben deutlich verlängerte Rast- und Güstzeiten und oft ist es problematisch, Tiere auch nach erfolgreicher Behandlung wieder tragend zu bekommen. Die daraus entstehenden negativen wirtschaftlichen Folgen für den Betrieb liegen damit auf der Hand.

Betrachten wir nun die Ursachen und die Möglichkeiten zur Zystenprophylaxe genauer, damit Sie die Gesundheit Ihrer Tiere verbessern und die wirtschaftlichen Folgen für den Betrieb minimieren können.

  • Häufigste Ursache für Zysten ist die mangelhafte Energieversorgung der Kühe
  • Optimierung der Energieversorgung, Fütterung und Haltungsbedingungen beugt Zysten vor
  • Zystenkühe haben verlängerte Rast- und Güstzeiten und Fruchtbarkeitsprobleme
  • Zysten im Bestand wirken sich negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg aus

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Häufigste Ursache für Zysten bei Kühen: negative Energiebilanz!

Die Entstehung der Zysten wird vordergründig durch hormonelle Unstimmigkeiten verursacht, die den Eisprung verhindern und den Follikel in ein Zyste verwandeln. Doch die wirklichen Ursachen liegen tiefer, denn Eierstockzysten sind im Prinzip ein Schutzmechanismus des Tieres, wenn der Körper eine negative Energiebilanz (Ketose) aufweist. Eine erneute Trächtigkeit würde das geschwächte Tier nicht verkraften und daher bildet die Kuh durch die Zyste zyklusblockierenden Hormone.

  • Trächtigkeit und Abkalben fordern vom Tier viel Energie

    Eine der Hauptursachen für Zysten ist die schlechte Energieversorgung nach dem Abkalben. Kühe, die im Geburtszeitraum und in den Wochen danach eine negative Energiebilanz aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko zur Zystenbildung.

  • Was ist eine negative Energiebilanz bzw. Ketose?

    Die negative Energiebilanz wird auch als Ketose oder Acetonämie bezeichnet. Sie entsteht, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg der Energiebedarf die Energieaufnahme übersteigt. Normalerweise wird der Energiebedarf durch Kohlenhydrate (Glukose) gedeckt. Ist dieser Energiestoffwechsel gestört, wird Körperfett zu Ketonkörpern umgewandelt, um den Energiebedarf zu decken. Dies wiederum belastet die Leber („Fettleber“) und wirkt sich ebenfalls negativ auf den Stoffwechsel aus.

  • Hohe Milchleistung erhöht das Zystenrisiko

    Da die Leber der Tiere auch durch hohe Milchleistung belastet wird, ist oft ein Zusammenhang zwischen Hochleistungskühen und Zystenhäufigkeit zu beobachten. Hochleistungskühe sind daher besonders zu beobachten, um die optimale Energieversorgung sicherzustellen.

  • Mangel an Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen

    Mit der negativen Energiebilanz und der Fettmobilisation einher geht oft eine mangelhafte Versorgung der Tiere mit Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen. Hierzu gehören insbesondere der Mangel an Vitamin E, Beta-Carotin, Selen, Mangan, Kupfer und Zink.

  • Gestörte Nachgeburtsphase

    Auch eine gestörte Nachgeburtsphase kann das Risiko zur Zystenbildung erhöhen. Erkrankungen oder Entzündungen behindern die problemlose Abkalbung und Rückbildung der Gebärmutter, was Zysten begünstigt. Auch Nachgeburtsverhalten und Aborte stören die Eierstockfunktion und es kann vermehrt zur Zystenbildung kommen.

  • Umweltbedingungen und Haltung

    Eine weitere Ursache für die vermehrte Bildung von Zysten sind oft die Haltungs- und Umweltbedingungen. Dazu gehören insbesondere Stress für die Tiere, mangelhafte Möglichkeiten zur Wasser- und Futteraufnahme, Überbelegung, Hitzestress, hohe Luftfeuchtigkeit, aber auch intensive Mineraldüngung, zu viel Kalium im Boden oder hormonhaltige Futterpflanzen wie Klee.

  • Genetische Veranlagung zur Zystenbildung

    Eine weitere Ursache kann allerdings auch die genetische Veranlagung sein, bei der Kühe aus „Zystenfamilien“ häufiger und leichter zur Bildung von Zysten neigen.

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Zysten bei Kühen vorbeugen: Energieversorgung, Fütterung und Haltung optimieren.


Wenn man die Ursachen für Zysten bei Kühen kennt, kann man bei den eigenen Tieren aktiv vorbeugen, um vermehrt Zysten im Bestand zu verhindern. Wesentliche Ansätze sind dabei die Optimierung von Energieversorgung, Fütterung und Haltungsbedingungen. Vor allem vor und nach dem Abkalben sollte man seine Tiere besonders im Blick haben und insbesondere Risikotiere regelmäßig beobachten. Welche Tiere ein besonders hohes Risiko zur Zystenbildung haben, lesen Sie in unserem ersten Beitrag zum Thema.

Folgende Maßnahmen im Betriebs- und Fütterungsmanagement können helfen, das Zystenrisiko zu senken:

  • Grundsätzlich alle Einflussfaktoren optimieren, die bei der Fütterung wichtig sind, zum Beispiel auf Qualität und Energiegehalt des Futters achten und im Stall die Tiere so halten, dass Futter und Tränke jederzeit problemlos erreichbar sind.
  • Fressverhalten der Tiere permanent beobachten und kontrollieren.

  • Schon in der vorausgehenden Laktation darauf achten, die Energiedichte der Rationen zu reduzieren, wenn die Kühe Fettdepots anlegen und an körperlicher Kondition zulegen. Verfettung in der Spätlaktation vermeiden.

  • Während der Trockenstehzeit die Futteraufnahme hochhalten, dabei auf qualitativ hochwertige, aber eher energieärmere Rationen zurückgreifen.

  • Etwa zwei Wochen vor dem Abkalben Transitkühe langsam anfüttern, um den Stoffwechsel optimal zu halten und Pansen und Pansenflora auf die Laktation vorzubereiten.

  • Nach dem Abkalben sicherstellen, dass Futter eingesetzt wird, welches den hohen Energiebedarf decken und gut aufgenommen werden kann. Fettmobilisierung in der Frühlaktation verhindern.

  • Sämtliche Stressfaktoren in der Haltung überprüfen und minimieren. Auf optimale Belegungsdichte, Temperatur und Luftfeuchtigkeit achten.

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Zystenprobleme im Bestand sofort behandeln und wirtschaftliche Einbußen verhindern.


Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass man Eierstockzysten im Bestand auf Dauer in den Griff bekommen kann, wenn die Rahmenbedingungen optimiert und Kontrollen regelmäßig durchgeführt werden. Neigt ein Bestand regelmäßig zur Zystenbildung, kann auch auf Maßnahmen zur Ketose-Früherkennung zurückgegriffen werden. Neben der Kontrolle des Fressverhaltens können dann Ketose-Tests im Stall und eine Analyse der MLP-Daten (Eiweiß- und Fettgehalt, Fett-Eiweiß-Quotient) hilfreich sein.


  • In der Regel gilt: Sind Zysten bei Tieren erkannt, sollte sofort behandelt werden!

    Zwar kann es auch sein, dass sich Zysten etwa 50 bis 60 Tage nach dem Abkalben auch wieder spontan zurückbilden, doch kann man sich darauf nicht verlassen und ein rechtzeitiges Eingreifen verspricht oft guten Behandlungserfolg.

Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Hoftierarzt!

Die erfolgreiche Behandlung von Zysten im Bestand ist nur über die enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt möglich. Ja nach Situation versprechen verschiedene gezielte hormonelle Behandlungen gute Erfolge (zum Beispiel Progesteron-Präparate und -Injektionen, OvSynch-Verfahren).

Das Abdrücken der Zysten ist kritisch zu sehen, vor allem bei dickwandigen Zysten. Beim Sprengen der Blasen besteht das Risiko, dass durch die hervorgerufene Verletzung Eierstock und Eileiter verkleben, was zur dauerhaften Unfruchtbarkeit führen kann.

  • Rechtzeitige Behandlung verhindert wirtschaftliche Einbußen.

Schauen wir auch auf die Auswirkungen für Ihren Betrieb: Kühe mit Zysten haben deutlich verlängerte Rast- und Güstzeiten, was sich langfristig nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.

  • Die Rastzeit wird durch Zysten im Durchschnitt um etwa 16 Tage verlängert.
  • Die Güstzeit wird durch Zysten oft um 20 bis 30 Tage verlängert, in manchen Fällen sogar um bis zu 60 Tage.
  • Einmal von Zysten betroffene Tiere haben zudem eine höhere Anfälligkeit, erneut Zysten zu bekommen.

    Erfolgreich gegen Zysten bei Kühen: Der Maßnahmen-Mix macht’s!

    Es ist nicht immer einfach, Kühe auch nach erfolgreicher Behandlung einer Zyste wieder tragend zu bekommen – nehmen Sie daher in Ihrem Betrieb die Zystenproblematik ernst:

    Überprüfen Sie die Haltungsbedingungen, optimieren Sie die Fütterung und kontrollieren Sie das Fressverhalten, behalten Sie Risikotiere besonders im Auge und setzen Sie auf vorbeugenden Maßnahmen und eine schnelle Behandlung unter Einbeziehung des Hoftierarztes.

    Mit der Gesamtheit aller Maßnahmen wird es Ihnen gelingen, ein Zystenproblem im Bestand zu verhindern oder zu lösen und wirtschaftliche Einbußen für Ihren Betrieb zu vermeiden.

    Mehr zum Thema Zysten bei Kühen, lesen Sie auch in unserem  Beitrag über die Arten und die Erkennung von Zysten-Kühen.