Zysten bei Kühen: Wie entstehen Eierstockzysten und wie erkennt man Kühe mit Zysten?

Eierstockzysten bei Kühen haben sich inzwischen bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben mit Milchviehhaltung zu einem Bestandsproblem entwickelt. Im Allgemeinen haben ca. 30% aller Milchkühe mindesten einmal im Laufe ihres Lebens Eierstockzysten.1 Dabei sind insbesondere Hochleistungskühe von Zysten betroffen. Die Ursache für Zystenbildung ist meistens in der nicht optimalen Energieversorgung der Tiere zu finden – und damit sind oft nicht nur einzelne Kühe, sondern mehrere Tiere eines Tierbestandes von Zysten betroffen.

Umso wichtiger ist es, als Landwirt die Zystenproblematik im Bestand stets im Auge zu behalten, beim Auftreten schnell zu behandeln und insbesondere vorbeugend zu arbeiten, damit die gesundheitlichen Folgen für die Tiere und die wirtschaftlichen Auswirkungen für den Betrieb minimiert werden.

Im ersten Beitrag möchten wir Ihnen einen Überblick über die Arten der Zysten und Ihre Entstehung geben, sowie Hinweise dazu, wie man Kühe mit Zysten erkennt. In einem weiteren Beitrag sollen dann die Ursachen, ihre Abstellung und die Prophylaxe im Vordergrund stehen. Schauen wir also zunächst darauf, was Eierstockzysten bei Kühen eigentlich sind und was sie bewirken!

  • Zysten sind ein Schutzmechanismus für das Tier bei mangelhafter Energieversorgung
  • Hormonelle Unstimmigkeiten lösen die Bildung von Zysten aus
  • Dauerbrunst und Brunstlosigkeit als Folgen von Zystenbildung
  • Tiere mit erhöhtem Zystenrisiko regelmäßig beobachten

Was sind eigentlich Eierstockzysten bei Kühen?

Bei einer Eierstockzyste handelt es sich in der Regel um eine teils mit Flüssigkeit gefüllte große Eiblase, in der Hormone produziert werden, die den Zyklus der Kuh blockieren und den Eisprung verhindern. Man kann im Wesentlichen zwei Arten dieser Zysten unterscheiden: Follikel-Theka-Zysten sind gut 2,5 cm groß und können auch gleichzeitig an beiden Eierstöcken auftreten. Follikel-Lutein-Zysten bilden sich aus nicht ovulierten Follikeln, sind etwas dickwandiger und kommen meist einzeln vor. Die genaue Unterscheidung ist oft nur mit Hilfe von Ultraschall oder durch spezielle Diagnosemethodik möglich.

Gemeinsam ist den Zystenarten jedoch Ihre Funktion:

  • Die Eierstockzysten sind im Prinzip ein Schutzmechanismus des Tieres, wenn der Körper eine negative Energiebilanz aufweist.
  • Um einen noch zusätzlich erhöhten Energieverbrauch durch eine weitere Trächtigkeit zu verhindern, bildet die Kuh die Zysten, die dann die zyklusblockierenden Hormone ausschütten.


Damit ist bereits offensichtlich: Nicht die Zysten selbst sind das Problem, sondern es müssen die Ursachen für Ihre Bildung erkannt und abgestellt werden!

Wann entstehen Eierstockzysten bei Kühen?

Die Entstehung der Zysten an den Eierstöcken ist grundsätzlich durch hormonelle Unstimmigkeiten verursacht, insbesondere Progesteron und LH (luteinisierendes Hormon) spielen eine entscheidende Rolle. Kühe mit Energiedefizit bilden oft nur noch etwa ein Drittel der Menge des benötigten Eisprunghormons LH. Das Ungleichgewicht der Hormone bewirkt dann, dass der Eisprung nicht stattfindet und sich der Follikel stattdessen zu einer Zyste entwickelt. Wie schnell es bei der einzelnen Kuh zur Zystenbildung kommt, ist im Einzelfall unterschiedlich. Es gibt allerdings Kühe, die erblich bedingt eher zur Zystenbildung neigen.

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Wie kann man Kühe mit Zysten erkennen?

Um festzustellen, ob bei einzelnen Tieren oder im gesamten Betrieb eine Zystenproblematik vorliegt, muss man die Anzeichen kennen, die bei Kühen mit Zystenauftreten können. Ein generelles Anzeichen und eine häufige Folge von Zysten sind sowohl Dauerbrunst als auch Brunstlosigkeit.

Die wichtigsten Anzeichen für Kühe mit Zysten im Überblick:

  • Dauerbrunst für längere Zeit: Die Kühe reiten auf, brüllen, zeigen aber meist keinen Duldungsreflex.
  • Äußere Anzeichen: Bei den Kühen können bei schon länger bestehenden Zysten äußere Anzeichen auftreten, die ähnlich der Anzeichen sind, die Kühe in Brunst zeigen. Dies können insbesondere Hohlschwanzbildung und eingefallene Beckenbänder sein, zudem angeschwollene Schamlippen oder sogar Scheidenvorfall.
  • Erhöhte Milchzellzahl: Von Zysten betroffenen Kühe haben im Durchschnitt einen erhöhten Zellgehalt.
  • Brunstlosigkeit: Häufig werden Kühe mit Zysten gar nicht mehr brünstig, da der Zyklus durch die hormonelle Steuerung blockiert ist.

Welche Kühe sind besonders anfällig für Zystenbildung?

Neben den genannten wichtigsten Anzeichen für Kühe mit Zystenist es auch sinnvoll, generell Kühe aus dem eigenen Bestand im Auge zu behalten, die ein erhöhte Risiko für die Bildung von Zysten haben. Dies können insbesondere folgende Tiere sein:

 

  • Kühe, die verfettet abgekalbt haben
  • Kühe, die eine gestörte Nachgeburtsphase hatten
  • Kühe mit Euter- oder Gebärmutterentzündungen
  • Mutterkühe von Zwillingen
  • Kühe aus Zuchtlinien, die zur Zystenbildung neigen
  • Tiere mit Lahmheit oder Milchfieber

Behalten Sie Ihren Tierbestand also auch in Bezug auf das Thema Zysten immer im Blick, um die Fruchtbarkeit der Tiere und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Betriebs sicherzustellen!

Mehr zum Thema Zysten bei Kühen, lesen Sie auch in unserem ersten Beitrag über die Zysten - Ursachen und Maßnahmen.

Quellen:
1Elmore R.G., Gaines J.D., Youngquist R.S. and Garverick H.A. (1992). Bovine ovarian cystic degeneration. Theriogenology Handbook B7