Husten bei Kälbern ist eines der offensichtlichsten Anzeichen für eine Erkrankung. Und gerade bei Kälbern gehören Infektionen der Atemwege nach den Durchfallerkrankungen zu den häufigsten Krankheiten. Sie sind durch schwere Verläufe sogar die zweithäufigste Todesursache!

Wenn man um diesen grundsätzlichen Zusammenhang weiß, sollte klar sein: Husten bei Kälbern muss sofort beachtet werden. Es ist ein Knackpunkt, denn je eher die Anzeichen erkannt werden, umso schneller kann behandelt werden. Das wiederum macht es wahrscheinlicher, dass die Kälber wieder gesund werden.
Das ist gut für die Kälber und auch wichtig für die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs. Denn Husten bei Kälbern als Beginn einer Kälbergrippe kostet nicht nur sofort anfallende Behandlungskosten, sondern kostspielige Langzeitfolgen mit sich, zum Beispiel durch schwache Tageszunahmen, verspätete Laktation, weniger Milchleistung, verminderte Fruchtbarkeit und häufigere Anfälligkeit gegenüber weiteren Erkrankungen.

Schauen wir uns genauer an, was der Husten bei Kälbern bedeutet!

  • Kälber sind sehr empfindlich gegenüber Atemwegserkrankungen
  • Muss ein Kalb mit Husten sofort behandelt werden?
  • Husten und Fieber sind klare Anzeichen für Kälbergrippe
  • Im Winter sind Kälber durch Husten besonders betroffen

Wenn Kälber husten_Kalb-1

 

Warum sind Kälber anfällig für Husten?

Kälber sind gegenüber vielen anderen Tieren deutlich empfindlicher für Atemwegserkrankungen. Doch woran liegt das? Eine wesentliche Ursache ist, dass Kälber mit einer nicht ausgereiften Lunge geboren werden, die sich erst nach etwa einem Jahr voll entwickelt hat.

Außerdem besitzen Rinder, und auch die Kälber, allgemein eine im Verhältnis zur Körpergröße relativ kleine Lunge. Auch die Anatomie der Lunge macht die Tiere anfällig: Da die Rinderlunge stark gelappt und unterteilt ist, können bei einer Entzündung schnell sehr viele Segmente betroffen sein.

Auch die immunologische Lücke um den zweiten Lebensmonat macht die Kälber für Husten und andere Erkrankungen anfällig. In dieser Phase nimmt die Zahl der mütterlichen Abwehrstoffe im Blut der Kälber ab, während die körpereigene Immunabwehr sich erst langsam aufbaut.

Hinzu kommen Umweltfaktoren, die sich auf den Gesundheitszustand der Kälber schnell negativ auswirken können, zum Beispiel nicht optimale Haltungsbedingungen, Futterumstellungen, Stress oder Transporte.

Muss ein Kalb mit Husten sofort behandelt werden?

Wenn Kälber husten, ist dies immer ein ganz deutliches und leicht zu erkennendes Anzeichen für eine Erkrankung der Atemwege. Und in diesem Fall ist klar: Dieses Kalb muss gut beobachtet und gegebenenfalls untersucht werden, wenn es weitere Symptome einer Kälbergrippe zeigt (Fieber, Augen-/Nasenausfluss, Mattigkeit, …) oder wenn der Husten länger bestehen bleibt. Je schneller die Krankheit erkannt wird, umso größer ist die Chance, eine erfolgreiche Heilung einzuleiten und schwere Verläufe bis hin zum Verenden der Kälber zu verhindern.

Außerdem sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass eine Erkrankung auch ansteckend für andere Tiere im Bestand sein kann. Deshalb sollten betroffene Tiere schnell behandelt werden – und im Betrieb insgesamt muss ebenso schnell gehandelt werden, indem erkrankte Tiere abgetrennt werden und die Hygienemaßnahmen optimiert werden, um eine Übertragung auf weitere Kälber zu verhindern.

Die Tierbeobachtung im Betrieb ist damit ein ganz entscheidender Faktor: Behalten Sie die Kälber immer im Blick und reagieren Sie sofort, wenn zum Beispiel Husten bei einem Kalb als erstes Anzeichen auftritt!

Haben Kälber mit Husten auch Fieber?

Wenn Kälber husten, ist dies immer ein ganz deutliches und leicht zu erkennendes Anzeichen für eine Erkrankung der Atemwege. Genauso gehört Fieber, also eine erhöhte Körpertemperatur, zu den eindeutigen Symptomen für eine Krankheit. Und wie bei vielen anderen Krankheiten gibt es auch bei der Rindergrippe verschiedenste Anzeichen, die in der Regel gemeinsam auftreten. Husten bei Kälbern und Fieber treten daher oft gemeinsam auf.

Hierzu die bekannten Symptome der Rinder- bzw. Kälbergrippe im Überblick:
  • Husten
  • Schweres Atmen, von erhöhter Atemfrequenz bis zu schwerer Atemnot, Atmung durch das Maul
  • Fieber, teilweise sehr hoch über 39,5 °C
  • Nasen- und Augenausfluss, wässrig klar bis eitrig
  • Tiefe Kopfhaltung, hängende Ohren
  • Mattigkeit, Inaktivität, langsame Bewegungen, verzögertes Aufstehen
  • Verringerte Futter- und Tränkeaufnahme
    Braune Mutterkuh und Kalb auf Weide

Haben Kälber mit Husten immer eine Kälbergrippe?

Husten ist ein klares Symptom, das früh und sehr eindeutig auf die Entwicklung einer Kälbergrippe hinweist. Dabei ist die Kälbergrippe eine sogenannte „Faktorenkrankheit“. Das bedeutet, es gibt mehrere Ursachen, die eine Erkrankung auslösen können. Bei der Kälbergrippe unterscheidet man sowohl „belebte“ als auch „unbelebte“ Faktoren.

Zu den unbelebten, nicht-infektiösen Faktoren gehören die Umweltbedingungen, die eine Erkrankung begünstigen. Dies sind für das Kalb vor allem Stressfaktoren, die das Tier belasten und das Immunsystem schwächen, zum Beispiel Transporte, Zugluft, Feuchtigkeit und Kälte, Schadgasbelastung, veränderte Gruppenzusammenstellung, Futterumstellung.

Die belebten Faktoren sind die infektiösen Faktoren, die den Ausbruch der Kälbergrippe direkt verursachen. Hierzu gehören ganz klassisch verschiedene Viren- und Bakterienarten. Die Viren schädigen insbesondere die Zellen in den oberen Atemwegen und die Bakterien können in der Folge zu eitrigen Lungenentzündungen führen.

Damit ist klar: Was mit einem ersten Husten beginnt, kann unbehandelt zu einer schweren Kälbergrippe führen. Umso wichtiger ist ein schnelles Erkennen der ersten Anzeichen. Ein schwerer Verlauf der Kälbergrippe bis hin zur gefährlichen Lungenentzündung innerhalb weniger Tage muss unbedingt verhindert werden.

Mehr zur Erkennung der Rindergrippe mit Hilfe des kalifornischen Punktesystems erfahren Sie hier.

Husten beachten: Gerade im Winter sind Kälber gefährdet!

Ist es normal, dass Kälber im Winter husten? Oder in der feucht-kalten Übergangszeit im Herbst oder Frühjahr? Auch hier eine klare Antwort: Nein! Natürlich kann sich auch ein Kalb an der Tränke mal verschlucken – aber Husten ist  meist ein Anzeichen für eine beginnende Erkrankung.

Und gerade im Winter und in der Übergangszeit sind die Tiere anfällig: Ein frierendes Kalb ist gefährdet, da der Stoffwechsel und das Immunsystem auf niedrigerem Niveau arbeiten. Die Verdauung wird langsamer, womit die Energiezufuhr reduziert wird und das Kalb es noch schwerer hat, sich warm zu halten. Und wenn was Immunsystem nur noch „im Notbetrieb“ arbeitet, ist das Tier anfälliger gegenüber Krankheitserregern.

Daher gilt für Kälber gerade im Winter:
  • Unterkühlung der Kälber unbedingt vermeiden!
    Das Fell trocken und sauber halten! Gerade Neugeborene schnell trockenreiben, damit sich im Fell eine isolierende Luftschicht bilden kann. Bei Temperaturen unter 10 °C Wärmeboxen vorbereiten.

  • Kälberdecken nutzen!
    Damit der Organismus warm bleibt, benötigen die Kälber viel Energie. Gerade die jüngsten Kälber haben aber keine großen Reserven. Eine warmhaltende Kälberdecke hilft den Tieren, Energie zu sparen. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass die Kälber im Winter auf ihre körpereigenen Reserven zurückgreifen müssen.

  • Energiebedarf durch Futter und Tränke sichern!
    Bei kalten Temperaturen steigt der Energiebedarf, um die Körperwärme zu erhalten. Sorgen Sie daher unbedingt für reichlich Energiezufuhr. Die Konzentration des Milchaustauscher kann um 10 bis 20 Prozent erhöht werden, regelmäßig und vermehrt tränken!

Kann der Husten bei Kälbern chronisch werden?

Klare Antwort: ja! Dabei ist es allerdings nicht nur der Husten als einziges Symptom, sondern generell die Erkrankung der Atemwege. Wird Husten und Kälbergrippe nicht oder zu spät behandelt, kann dies tatsächlich zu chronisch lungenkranken Tieren führen. Diese entwickeln sich oft zu Kümmerern mit stets anfälligem Gesundheitszustand, verspäteter Entwicklung und schwacher Milchleistung. Lassen Sie es auf keinen Fall soweit kommen! Vorbeugen, die Tiere immer beobachten und bei ersten Anzeichen sofort den Tierarzt hinzuziehen – nur so können chronische Verläufe verhindert werden.

Husten bei Kälbern – ziehen Sie Ihren Hoftierarzt hinzu!

Nehmen Sie hustende Kälber nicht auf die leichte Schulter. Wenn man im eigenen Betrieb die ersten Anzeichen von Husten und aufkommender Kälbergrippe erkennt, ist der Hoftierarzt der richtige Ansprechpartner. Denn wenn eine bakterielle Infektion die Gefahr einer Lungenentzündung erhöht, kann oft nur noch der Einsatz der richtigen Antibiotika durch den Tierarzt das Schlimmste verhindern!

Weitere Informationen über die Kälbergrippe und andere Erkrankungen finden Sie in unserem Hauptartikel zu Kälberkrankheiten.

 Viel Erfolg und alles Gute für Ihre Tiere!