Die Hand einer jungen Bäuerin streichelt ein neugeborenes Kalb; die Szene spielt sich an einem sonnigen Tag auf einer grünen Wiese eines Bauernhofs ab.

Wenn ein Virus vom Rind zu dir überspringt – was du über virale Zoonosen wissen solltest

Inga Oestereich

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21.07.2026

·

4 Min. Lesezeit

Im Sommer 2024 stirbt ein 83-jähriger Mann im Norden Portugals. Die Diagnose: Krim-Kongo-Fieber1, ausgelöst von einem Virus, das über Zecken auf ihn kam. Klingt nach einem tragischen Einzelfall weit weg von deinem Hof? Ist es leider nicht. Als Forscher daraufhin die Rinderherden in der Region untersuchten, fanden sie in fast jedem dritten Rind Antikörper gegen genau dieses Virus – bei Rotwild waren es sogar über die Hälfte der Tiere. Und das Verrückte daran: Kein einziges dieser Tiere war krank. Sie trugen das Virus einfach mit sich herum.

Willkommen in der Welt der viralen Zoonosen. Lass uns mal in Ruhe anschauen, was virale Zoonosen eigentlich sind und was das mit dir und deinen Kühen zu tun hat.

Was ist eine virale Zoonose überhaupt?

Ganz einfach gesagt: Eine Zoonose ist eine Krankheit, die zwischen Tier und Mensch überspringen kann. Bei einer viralen Zoonose steckt eben ein Virus dahinter statt einem Bakterium oder Pilz. Klingt harmlos, ist es aber nicht immer. Denk an Corona, Ebola oder die Vogelgrippe – alles Viren, die ursprünglich aus dem Tierreich kamen.

Und jetzt kommt die Zahl, die dich vielleicht überrascht: Virale Zoonosen machen rund 60 bis 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen aus. Weltweit sprechen wir von geschätzt 2,5 Milliarden Erkrankungen und etwa 2,7 Millionen Todesfällen – pro Jahr2. Das ist keine Randnotiz aus dem Biologiebuch, das ist eines der großen Gesundheitsthemen unserer Zeit.

Lies auch zum Thema parasitäre Zoonosen: Parasiten im Kälberstall: Was deine Tiere krank macht – und dich gleich mit

Hier geht’s weiter zu den bakteriellen Zoonosen: Bakterielle Zoonosen: Wie gefährliche Keime von der Kuh auf den Menschen gelangen

Warum werden es immer mehr?

Viren gab es schon immer, klar. Aber die Häufigkeit, mit der neue Erreger vom Tier zum Menschen überspringen, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Woran liegt das? An uns Menschen, ehrlich gesagt.

Wir roden Wälder, dehnen Ackerflächen aus, bauen Städte in Regionen, wo vorher nur Wildtiere lebten. Damit rücken Mensch, Nutztier und Wildtier immer enger zusammen – und jeder neue Kontakt ist eine Gelegenheit für ein Virus, den Wirt zu wechseln. Das berühmteste Beispiel: In Malaysia wanderten Flughunde in Schweinefarmen ein, die man in gerodete Waldgebiete gebaut hatte. Ergebnis war der erste große Nipah-Ausbruch.

Dazu kommen der Klimawandel, der Mücken und Zecken in neue Regionen bringt, der weltweite Handel, der Erreger in Windeseile über Kontinente trägt, und die schiere Menge an Tieren in intensiver Haltung. Nicht falsch verstehen: Das ist kein erhobener Zeigefinger gegen die Landwirtschaft. Es ist einfach die Realität einer eng vernetzten Welt.

Und was hat das mit deinem Stall zu tun?

Jetzt wird's konkret. Beim Rind kennst du wahrscheinlich schon einen alten Bekannten: das bovine Coronavirus, das bei neugeborenen Kälbern Durchfall verursacht. Die gute Nachricht vorweg – dieses Virus interessiert sich nur fürs Rind, dich lässt es in Ruhe.

Aber es gibt eben auch Viren, die beide Wege gehen. In der Milchviehhaltung stehen bei den viralen Erregern vor allem das Rift-Valley-Fieber-Virus, das Tollwutvirus sowie Kuh- und Vakziniapocken auf der Liste der Zoonose-relevanten Kandidaten. Und wie das portugiesische Beispiel zeigt: Auch das Krim-Kongo-Fieber-Virus kann in Rindern zirkulieren, ganz ohne dass die Tiere Symptome zeigen. Deine Kuh sieht kerngesund aus – und trägt trotzdem etwas in sich.

Eine Sorge kann ich dir aber nehmen: Was die Milch angeht, ist die Ausscheidung zoonotischer Viren nach aktuellem Kenntnisstand vernachlässigbar gering. Das Hauptrisiko liegt beim direkten Umgang mit den Tieren, nicht im Glas Milch.

Was kannst du tun?

Und hier kommt der beruhigende Teil, denn du bist dem Ganzen keineswegs ausgeliefert. Der Schlüssel heißt: gesunde Herde und ein wacher Blick.

    • Kenne den Gesundheitsstatus deines Betriebs. Wer weiß, was in seinen Tieren steckt, kann früh gegensteuern. Bleib dafür in engem Austausch mit deinem Hoftierarzt.
    • Hygiene, Hygiene, Hygiene. Schutzkleidung, Handschuhe, saubere Abläufe – gerade im Abkalbebereich und beim Umgang mit kranken Tieren. Das klingt banal, ist aber deine wirksamste Waffe.
    • Denk an die Risikogruppen. Kinder, ältere und immungeschwächte Menschen sowie Schwangere sollten kranke Tiere möglichst nicht anfassen.
    • Sag beim Arzt, dass du mit Rindern arbeitest. Dieser eine Satz kann einem Mediziner die entscheidende Spur liefern, wenn du dich mal krank fühlst.

Fachleute fassen das unter dem Stichwort „One Health" zusammen: Die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt hängt zusammen und lässt sich nur gemeinsam denken. Als Landwirt bist du dabei kein Zuschauer, sondern mittendrin – du bist oft der Erste, der merkt, wenn in der Herde etwas nicht stimmt.

Also: Panik vor deinen Kühen? Auf keinen Fall. Der enge Kontakt zu deinen Tieren gehört zu deinem Beruf und ist wertvoll. Aber ein bisschen Wissen im Hinterkopf und ein paar Hygieneregeln im Alltag – das macht den Unterschied. Für dich, deine Familie und deine Tiere.

In den kommenden Beiträgen schauen wir uns einzelne virale Zoonosen genauer an – von den Symptomen bis zur Vorbeugung. Bleib dran!

 


FAQ

Was ist eine virale Zoonose?
Eine Zoonose ist eine Krankheit, die zwischen Tier und Mensch überspringen kann. Bei einer viralen Zoonose steckt ein Virus dahinter – bekannte Beispiele sind Corona, Ebola oder die Vogelgrippe. Solche Erreger machen weltweit rund 60 bis 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen aus. Beim Rind sind unter anderem das Rift-Valley-Fieber-, das Tollwut- und das Krim-Kongo-Fieber-Virus relevant.

Kann ich mich über die Milch mit einer Zoonose anstecken?
Was virale Zoonosen angeht, kannst du hier weitgehend beruhigt sein: Die Ausscheidung solcher Viren über die Milch ist nach aktuellem Kenntnisstand vernachlässigbar gering. Das eigentliche Risiko liegt im direkten Umgang mit den Tieren – also beim Anfassen, im Abkalbebereich oder beim Umgang mit kranken Tieren, nicht im Glas Milch.

Wie schütze ich mich und meine Herde vor Zoonosen?
Der Schlüssel sind eine gesunde Herde und ein wacher Blick. Kenne den Gesundheitsstatus deines Betriebs und bleib im engen Austausch mit deinem Hoftierarzt. Achte auf konsequente Hygiene mit Schutzkleidung und Handschuhen, halte Risikogruppen wie Kinder, Schwangere und ältere Menschen von kranken Tieren fern – und sag beim Arztbesuch, dass du mit Rindern arbeitest. Dieser eine Hinweis kann bei einer Diagnose entscheidend sein.

 


Quellen:

1 dos Santos, F.A., Duarte, M.D., Caçote, A. et al. Evidence of Crimean–Congo hemorrhagic fever virus in livestock and wildlife in Northeastern Portugal. Sci Rep 15, 25142 (2025). https://doi.org/10.1038/s41598-025-10627-5

2 Banik, A.; Basu, S. Drivers and Consequences of Viral Zoonoses: Public Health and Economic Perspectives. Zoonotic Dis. 2025, 5, 32. https://doi.org/10.3390/zoonoticdis5040032

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