Älterer Mann arbeitet auf einem Milchviehbetrieb in der Landwirtschaft.

Bakterielle Zoonosen: Wie gefährliche Keime von der Kuh auf den Menschen gelangen

Dr. Christina Hirsch

·

6.03.2026

·

5 Min. Lesezeit

Warum bestimmte Infektionskrankheiten für Tierhalter relevant sind – und wo Risiken entstehen

Der enge Kontakt zwischen Mensch und Tier ist ein zentraler Bestandteil der Rinderhaltung. Ob bei der Abkalbung, in der Kälberaufzucht, bei tierärztlichen Behandlungen oder in der täglichen Stallarbeit – du als Landwirt arbeitest unmittelbar mit deinen Tieren zusammen.

Dabei steht meist die Tiergesundheit im Fokus. Doch ebenso wichtig ist eine andere Frage: Wie gut denkst du an deinen eigenen Gesundheitsschutz im Betriebsalltag?

Bakterielle Zoonosen zeigen, wie eng Tiergesundheit, Arbeitsschutz und öffentliche Gesundheit miteinander verbunden sind.

Zoonosen – wenn Krankheiten Tier und Mensch betreffen

Als Zoonosen bezeichnet man Infektionskrankheiten, die natürlicherweise zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen werden können. Die Übertragung kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen:

  • direkter Tierkontakt (z. B. bei Geburtshilfe oder Tierpflege)
  • indirekter Kontakt über Stallstaub, Aerosole oder kontaminierte Umwelt
  • Aufnahme über Lebensmittel tierischen Ursprungs
  • Vektoren wie Zecken oder Nagetiere

Einige Erreger zirkulieren dauerhaft im Bestand, andere treten sporadisch oder im Zusammenhang mit Bestandsproblemen auf. Für Rinderbetriebe sind insbesondere Erkrankungen relevant, bei denen Rinder selbst als Reservoir dienen oder bei denen typische Arbeitsabläufe im Stall ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringen.

Q-Fieber: Unsichtbar im Stall, aber nicht harmlos

Das Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht und zählt zu den wichtigsten bakteriellen Zoonosen im Umfeld landwirtschaftlicher Nutztierhaltung. Rinder, Schafe und Ziegen spielen als Reservoir eine zentrale Rolle.

Im Rinderbestand verläuft die Infektion häufig subklinisch. Dennoch kann sie mit Fruchtbarkeitsstörungen, Aborten oder Totgeburten einhergehen. Gerade bei gehäuftem Abortgeschehen sollte Q-Fieber differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.

Mehr dazu: Schlechte Fruchtbarkeit beim Rind und keinen Anhaltspunkt?

Q-Fieber-Verdacht bei Rindern: Auf diese Symptome sollten Sie achten!

Für den Menschen ist vor allem die Ausscheidung des Erregers über Geburtsprodukte relevant. Nachgeburten, Fruchtwasser und Lochialsekrete enthalten hohe Erregermengen. Beim Antrocknen können infektiöse Partikel über Stallstaub oder Aerosole eingeatmet werden. Besonders gefährdet sind daher Personen, die regelmäßig in Abkalbebuchten arbeiten oder bei Geburten helfen.

Beim Menschen äußert sich Q-Fieber häufig grippeähnlich, kann jedoch in Einzelfällen schwere oder chronische Verläufe annehmen, unter anderem mit Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems. Die Erkrankung ist meldepflichtig und hat damit auch eine klare Bedeutung für den öffentlichen Gesundheitsschutz.

Lies auch: Q-Fieber - Eine Gefährdung für Milchkühe und Menschen

Q-Fieber bei Menschen: Was Sie über die Krankheit wissen müssen 

Salmonellose – Lebensmittelhygiene im Fokus

Salmonellen, insbesondere Salmonella enterica, gehören zu den bekanntesten bakteriellen Zoonose-Erregern.

AdobeStock_1002316742In Rinderbeständen können sowohl klinische Erkrankungen als auch symptomlose Infektionen auftreten. Gerade subklinische Ausscheider begünstigen eine unbemerkte Verbreitung im Bestand. Besonders in der Kälberaufzucht sind Durchfallerkrankungen ein häufiges Problem.

Für den Menschen zeigt sich eine Salmonellose meist als akute Magen-Darm-Infektion mit Fieber, Durchfall und Bauchschmerzen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere Menschen und immungeschwächte Personen. Die Übertragung erfolgt überwiegend über rohe oder unzureichend erhitzte Lebensmittel – insbesondere Eier, Geflügelfleisch und Schweinefleischprodukte. Salmonellen vom Rind sind für den Menschen eigentlich kein großes Thema – solange die Lebensmittel erhitzt werden. Anders sieht's bei rohen Produkten aus: Rohmilch oder rohes Fleisch aus einem infizierten Bestand kann besonders für Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem richtig gefährlich werden. Deshalb gilt: Rohmilch aus Beständen mit Salmonellen-Nachweis hat im Handel nichts verloren.

Monitoring- und Kontrollprogramme in der Nutztierhaltung zielen darauf ab, die Belastung in Beständen zu reduzieren und die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Für Rinderbetriebe bedeutet dies:

  • konsequente Stallhygiene
  • klare Altersgruppentrennung
  • strukturiertes Zukaufsmanagement
  • sorgfältiges Reinigungs- und Desinfektionsmanagement

Diese Maßnahmen schützen nicht nur die Tiere, sondern auch die im Betrieb tätigen Personen.

Mehr zum Thema unter Achtung Zoonosen – Rinderkrankheiten, die auch Sie als Landwirt krank machen können!

Brucellose: Zecken als Risiko bei der Arbeit im Freien

Diese bakterielle Zoonose ist in Deutschland zwar seit 1999 offiziell ausgerottet – aber „frei" heißt nicht „vergessen". Denn das Tückische: Laut FLI verläuft die Infektion vor dem ersten Abort oft völlig symptomlos. Und dann? Plötzlich häufen sich die Verkalbungen im zweiten Trächtigkeitsmonat und der Erreger scheidet sich massenhaft über Milch, Harn und Fruchtwasser aus. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich durch Kontakt mit infiziertem Tiermaterial oder den Verzehr unpasteurisierter Milchprodukte. Beim Menschen äußert sich die Erkrankung unspezifisch mit Fieber, Nachtschweiß, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen sowie möglichen chronischen Gelenkbeschwerden. Maßnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung dieser anzeigepflichtigen Tierseuche sind in der Brucellose-Verordnung geregelt.

Leptospirose: Ein unterschätzter Erreger aus feuchter Umgebung

Die Leptospirose ist eine weltweit vorkommende bakterielle Zoonose, verursacht durch Leptospiren. Nagetiere spielen als wichtige Reservoirwirte eine zentrale Rolle, da sie den Erreger über den Urin ausscheiden und so Wasser, Futter oder Böden kontaminieren.

Auch Rinder können infiziert sein. Im Bestand sind Fruchtbarkeitsstörungen oder Aborte möglich. Für den Menschen erfolgt die Übertragung meist über Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder feuchten Stallbereichen – beispielsweise bei Reinigungsarbeiten, in Außenklimaställen oder bei Tätigkeiten auf nassen Weideflächen. Die Erkrankung kann mild verlaufen, in schweren Fällen jedoch Leber- und Nierenschäden verursachen.

Konsequente Nagetierbekämpfung, saubere Tränkesysteme und ein strukturiertes Hygienemanagement sind daher zentrale Präventionsbausteine.

Warum Zoonosen im landwirtschaftlichen Alltag eine Rolle spielen

Bakterielle Zoonosen zeigen deutlich, wie eng Tiergesundheit, menschliche Gesundheit und Umweltbedingungen miteinander verknüpft sind. Veränderungen in Haltungsverfahren, klimatische Einflüsse, zunehmende Tierbewegungen oder bauliche Gegebenheiten können das Auftreten bestimmter Erkrankungen beeinflussen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Betrieb dauerhaft gefährdet ist – wohl aber, dass Prävention Teil professioneller Betriebsführung sein sollte.

Entscheidend sind dabei:

  • Wissen über relevante Erreger
  • Aufmerksamkeit im Umgang mit Risikosituationen
  • strukturierte Präventionsmaßnahmen im Betriebsalltag

Ein professionelles Bestandsmanagement schützt nicht nur die Tiere – sondern auch die Menschen, die täglich mit ihnen arbeiten.

Fazit

Bakterielle Zoonosen gehören auch im Rinderbetrieb zur Realität – selbst wenn sie häufig im Hintergrund bleiben. Erkrankungen wie Q-Fieber, Salmonellose, Brucellose und Leptospirose verdeutlichen, wie eng Tiergesundheit, menschliche Gesundheit und Umweltbedingungen miteinander verknüpft sind.

Infektionsschutz ist daher keine rein humanmedizinische Fragestellung, sondern Bestandteil verantwortungsvoller und professioneller Rinderhaltung. Wenn du als Landwirt die Übertragungswege kennst, Risikosituationen verstehst und Prävention strukturiert umsetzt, schützt du nicht nur deine Tiere – sondern auch dich selbst und alle Menschen, die täglich im Betrieb mitarbeiten.

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