Italienische Forscher identifizieren Coxiella burnetii in Entzündungszellen in der Gebärmutter bei  25 % der Fälle von unfruchtbaren Milchkühen mit chronischer Endometritis

Coxiella burnetii ist ein Zoonoseerreger, der erhebliche Auswirkungen auf die Fortpflanzungsleistung im Milchviehbetrieb haben kann.
Der Zusammenhang zwischen Infektionen mit C. burnetii und anderen Fruchtbarkeitsstörungen als Aborten bei Rindern wird in einer Reihe von Studien beschrieben. Für den Zusammenhang zwischen dem Bakterium allein und der Gebärmutterfunktion lagen bislang jedoch nur begrenzte Nachweise vor. Die Professoren Orlando Paciello und David De Biase von der Universität Neapel haben jetzt zum ersten Mal den Nachweis von C. burnetii im Zusammenhang mit Endometritis (Gebärmutterentzündung) beschrieben.

Wir haben mit den Forschern gesprochen, um mehr über diesen wichtigen Durchbruch in den wissenschaftlichen Erkenntnissen über Q-Fieber zu erfahren.

Forschungen an der Universität Neapel bringen „Licht ins Dunkel“ der Pathologie von Q-Fieber-Infektionen bei Rindern. Was macht diese Erkrankung Ihrer Meinung nach so relevant für die Tiermedizin?

Die Coxiellose ist aus drei wichtigen Gründen eine sehr relevante Erkrankung im Veterinärbereich:
  • Der erste Grund hängt mit der verbesserten Prophylaxe und Behandlung zusammen, die zur Optimierung der Tiergesundheit und des Tierschutzes führt.
  • Der zweite Grund ist das Management der Infektion, um schwere potenzielle Verluste zu vermeiden.
  • Der dritte, aber nicht weniger wichtige Grund hängt mit dem zoonotischen Potenzial von C. burnetii zusammen. Die Coxiellose (bzw. das bei Menschen auftretende Q-Fieber) ist ein Paradebeispiel für eine Krankheit, bei der es zu Wechselwirkungen zwischen Umwelt, Tieren (Nutz- oder Wildtieren) und dem Menschen kommen kann.


Wie manifestiert sich das Q-Fieber bei Rindern? Was sind die wichtigsten klinischen Anzeichen des Q-Fiebers bei Rindern?

Bei Rindern verläuft die Coxiella burnetii Infektion oft asymptomatisch, kann aber auch mit Fruchtbarkeitsproblemen assoziiert sein. Infolge von Infektionen der trächtigen Kuh kann es neben klinisch normalen Kälbern, die von Geburt an infiziert sein können oder auch nicht, zu Aborten, Frühgeburten, Totgeburten oder lebensschwachen Jungtieren kommen. Leider scheint C. burnetii in Rindern dauerhaft zu persistieren und kann beim Kalben sowie über die Milch ausgeschieden werden. So kann die Infektion durch Einatmen von kontaminiertem Staub oder Aerosolen auf Haustiere und Menschen übertragen werden.

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Was war das Hauptziel dieser Studie?

Da immer noch über den Zusammenhang zwischen dem Erreger und Fruchtbarkeitsproblemen diskutiert wird, war es Ziel dieser Studie zum ersten Mal den Nachweis von C. burnetii in weißen Blutkörperchen am Entzündungsort bei unfruchtbaren Milchkühen oder Milchkühen mit schlechter Fruchtbarkeit zu erbringen – ein starker Hinweis darauf, dass C. burnetii bei der Endometritis eine wichtige Rolle spielt.Gebärmutter Kuh als Illustration

Können Sie kurz beschreiben, wie die Studie durchgeführt wurde, um dieses Ziel zu erreichen?

Wir haben Gewebeproben von 40 Milchkühen mit schlechter Fruchtbarkeit genommen und an unser Labor geschickt. Gleichzeitig wurden PCR-Tests und mikrobiologische Tests durchgeführt, um bestimmte Infektionserreger zu identifizieren. Wenn kein anderer Infektionserreger als C. burnetii gefunden wurde, spornte uns dies an, das Vorhandensein dieses Erregers in Gebärmutterproben mittels verschiedener Antigentests genauer zu untersuchen.

Können Sie uns den wichtigen Durchbruch erläutern, den die Ergebnisse Ihrer Untersuchung bringen?

Unsere Ergebnisse scheinen darauf hinzudeuten, dass Gebärmutterschleimhautschäden bei einer              C. burnetii Infektion und fehlendem Nachweis anderer Erreger zu beobachten sind. Darüber hinaus besteht nach wie vor ein Bedarf an zuverlässigen diagnostischen Tests zur Erkennung von subklinisch infizierten Tieren, die insbesondere bei der Kalbung die Bakterien ausscheiden und dadurch ein erhöhtes Expositionsrisiko für Menschen darstellen. Mit dieser Studie zeigten wir, dass der Ansatz, die Gebärmutterschleimhaut zu untersuchen, eine wesentliche und sehr aufschlussreiche Informationsquelle, nicht nur für die Untersuchung von Reproduktionsstörungen, sondern auch für die Frühdiagnostik, sein kann.
Coxiella burnetii wurde in 25 % der unfruchtbaren Milchkühe mit chronischer Endometritis in der Gebärmutterschleimhaut identifiziert.

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2 weiß-braune Kühe auf der Weide
Über welchen Mechanismus könnte die Infektion zu Gebärmutterschäden und schlechte Fruchtbarkeit bei Milchkühen führen?

Wir können uns vorstellen, dass das stetige Vorkommen von bakterien- beladenen weißen Blutkörperchen die chronische Entzündung und fortschreitende Schädigung und funktionelle Beeinträchtigung des infizierten Gewebes begünstigt. In Anbetracht dessen könnte der Nachweis von C. burnetii im Gebärmuttergewebe das Vorliegen von chronischen, entzündlichen krankheitserregenden Zellen erklären, die wiederum für die mäßige bis schwere Gewebeschädigung und die späteren fortschreitenden Reproduktionsstörungen verantwortlich sind.

Was werden die nächsten Schritte in Ihrer Forschung sein, um tiefere Einblicke in diese wichtige Erkrankung zu erlangen?

Um die Kausalität des Zusammenhangs zwischen C. burnetii und Endometritis bei Kühen noch besser zu belegen, wollen wir in einer Fall-Kontroll-Studie – nach Möglichkeit in einem einzelnen Betrieb, – den Risikofaktor einer Coxiella burnetii Infektion für den Anstieg der Inzidenz von klinischen Endometritiden (diagnostiziert zwischen 21 und 28 Tage postpartum) untersuchen. In diesem Schritt werden wir auch die beste Möglichkeit zum Nachweis von Coxiella burnetii im Gebärmuttergewebe und insbesondere in den Entzündungszellen der Gebärmutter bestimmen. In einem zweiten Schritt werden wir die Reproduktionsleistung von Coxiella burnetii positiven Kühen und gesunden Kühen untersuchen.