Die Kuh liegt im Stall

Subklinische Ketose vorbeugen und verhindern: 4 Schritte für einen gesunden Laktationsstart

Dr. Christina Hirsch

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10.07.2026

·

6 Min. Lesezeit

Sie frisst und sie gibt Milch – und trotzdem kostet sie dich gerade Geld. Die subklinische Ketose ist die vielleicht heimtückischste Stoffwechselstörung im Milchviehstall: Deine Kuh zeigt keine offensichtlichen Symptome. Die Erkrankung läuft still im Hintergrund ab und fällt oft erst auf, wenn Milchleistung, Fruchtbarkeit und Tiergesundheit bereits gelitten haben.

Das Tückische daran: Betroffen sind meist deine besten Kühe – Hochleistungstiere in den ersten Wochen nach dem Abkalben. Genau deshalb entscheidet nicht die Behandlung, sondern die Vorbeugung über deinen Erfolg. In diesem Beitrag erfährst du, woran du eine subklinische Ketose, auch Primäre Ketose oder Typ 1 Ketose genannt, frühzeitig erkennst und mit welchen vier konkreten Schritten du sie schon vor der Kalbung verhinderst.

Was ist subklinische Ketose?

Sobald die Laktation einsetzt, schnellt der Energiebedarf einer Milchkuh in die Höhe. Die Futteraufnahme dagegen erreicht ihren Höchstwert erst einige Wochen nach dem Abkalben. Aus diesem Missverhältnis ergibt sich bei vielen Kühen eine negative Energiebilanz: Für die Milchbildung wird mehr Energie benötigt, als über das Futter bereitgestellt werden kann.

Um dieses Defizit auszugleichen, greift der Körper auf seine Fettreserven zurück. Von den dabei freiwerdenden Fettsäuren wandelt die Leber einen Anteil in Ketonkörper um – vor allem in Beta-Hydroxybutyrat (BHB). Überschreitet die BHB-Konzentration im Blut einen bestimmten Grenzwert, liegt eine Ketose vor.

Der ausgeprägte Abbau von Körperfett kann zudem dazu führen, dass sich Fett in der Leber ablagert. Ketose und Fettleber treten deshalb oft zusammen auf und begünstigen sich wechselseitig.

In der Praxis gilt üblicherweise ein BHB-Wert von rund 1,2 mmol/l Blut als Schwelle für eine subklinische Ketose. Anders als bei der klinischen Form fehlen bei den betroffenen Tieren meist deutliche Anzeichen wie verminderter Appetit, spürbarer Leistungseinbruch oder Acetongeruch. Die Stoffwechselstörung bleibt daher häufig unbemerkt – ihre wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen jedoch nicht.

Mehr zur klinischen Ketose liest du hier: Ketose beim Rind – die unterschätzte Stoffwechselstörung der Frühlaktation – alles was du wissen musst

Früherkennung – der entscheidende Erfolgsfaktor

Da subklinische Ketose meist ohne eindeutige Symptome verläuft, ist eine systematische Überwachung von Frischmelkern unverzichtbar.

Mögliche Hinweise auf subklinische Ketose sind:

  • verminderte Futteraufnahme
  • schneller Verlust an Körperkondition
  • unterdurchschnittliche Milchleistung
  • erhöhte Krankheitsanfälligkeit
  • Fruchtbarkeitsprobleme

Eine sichere Diagnose subklinischer Ketose gelingt dir folgendermaßen:

Um eine subklinische Ketose sicher zu erkennen, stehen dir verschiedene Verfahren zur Verfügung. Am zuverlässigsten sind BHB-Messungen im Blut, doch auch Milchketontests liefern schnelle Hinweise. Ergänzend helfen dir regelmäßige Frischkuhkontrollen sowie Herdenmanagementprogramme dabei, gefährdete Tiere frühzeitig im Blick zu behalten. Eine immer wichtigere Rolle spielen außerdem die Daten aus automatischen Melksystemen. Sie liefern wertvolle Frühwarnsignale, oft schon bevor eine Kuh sichtbar erkrankt. Verändert sich zum Beispiel die Milchmenge, sinkt die Wiederkauaktivität oder besucht ein Tier den Melkroboter seltener, kann das ein erstes Anzeichen für Stoffwechselprobleme sein. Auch eine nachlassende Futteraufnahme sollte dich aufmerksam machen. Wenn du diese Signale ernst nimmst und regelmäßig auswertest, kannst du rechtzeitig gegensteuern – und so Leistungseinbußen sowie Folgeerkrankungen in deiner Herde vermeiden.

Lies auch: Frischmelker im Fokus – Stoffwechsel verstehen, Krankheiten vermeiden, Leistung sichern

4 Schritte zur Ketose Prävention, die du vor der Kalbung machen kannst

Die wirksamste Strategie gegen subklinische Ketose ist eine konsequente Vorbeugung während der Transitphase.

1. Optimale Körperkondition sicherstellen

Kühe sollten weder überkonditioniert noch zu mager in die Kalbung gehen. Besonders überkonditionierte Tiere mobilisieren nach der Kalbung große Mengen Körperfett und weisen ein erhöhtes Risiko für Ketose und Fettleber auf.

Um in der Transitphase eine optimale Körperkondition sicherzustellen, sollte der Body Condition Score (BCS) beim Trockenstellen bei etwa 3,25 bis 3,5 Punkten liegen. Kontrolliere den BCS regelmäßig, idealerweise wöchentlich bei den Trockenstehern, und werfe dabei auch einen Blick auf Euter und Klauen. Entscheidend ist, sowohl Verfettung als auch übermäßigen Körpermasseverlust zu vermeiden, da zu fette Kühe ein erhöhtes Risiko für Ketose, Leberschäden und Schwergeburten haben, während bei zu mageren Kühen die Milchleistung in der Folgelaktation geringer ausfällt. Steuere Abweichungen frühzeitig über die Ration gegen: knapp konditionierte Tiere erhalten früher die energiereichere Vorbereiterration, überkonditionierte werden angepasst.1

2. Trockensteherfütterung gezielt gestalten

Eine bedarfsgerechte Fütterung während der Trockenstehzeit schafft die Grundlage für einen erfolgreichen Start in die Laktation.

Wichtige Ziele sind:

  • stabile Pansenfunktion
  • kontrollierte Energieversorgung
  • Vermeidung von Verfettung
  • Vorbereitung auf die spätere Laktationsration

3. Trockenmasseaufnahme maximieren

Eine hohe Trockenmasseaufnahme rund um die Kalbung zählt zu den wichtigsten Schutzfaktoren gegen Ketose. Ziel ist es, dass die Futteraufnahme bis kurz vor der Kalbung möglichst wenig abfällt. Ein Rückgang von mehr als 15–20 % in den letzten Tagen vor der Geburt erhöht das Risiko für Ketose, Fettleber, Labmagenverlagerungen und Nachgeburtsverhalten deutlich.

Als Orientierung gelten in der Vorbereitungsphase (Close-up, letzte drei Wochen vor der Kalbung) etwa 10–12 kg Trockenmasse pro Tag bei Holsteinkühen und 11–13 kg bei Fleckviehkühen. Werte unter 8–9 kg Trockenmasse täglich sollten Anlass geben, die Ursachen – beispielsweise Fütterung, Hitzestress, Rangkämpfe oder Erkrankungen – kritisch zu überprüfen.

Entscheidend sind:

  • schmackhafte und ausgewogene Rationen
  • ausreichend Fressplätze
  • regelmäßiges Anschieben des Futters
  • gute Stallluft
  • Kühlung per Ventilatoren oder/und Wassersprinkler im Sommer
  • ausreichend Liegeflächen
  • minimierter Stress

4. Risikotiere gezielt überwachen

Nicht alle Kühe tragen dasselbe Risiko an einer subklinischen Ketose zu erkranken. Deshalb solltest du nur bestimmte in der Transitphase besonders eng beobachten. Dazu zählen 1. ältere Kühe und Hochleistungstiere, da subklinische Ketosen in der Regel bei hochleistenden Kühen 3 bis 6 Wochen nach dem Abkalben auftreten. Ebenso gefährdet sind 2. Tiere nach Schwergeburten sowie 3. mit reduzierter Futteraufnahme, denn Schwergeburten und Nachgeburtsverhaltungen wirken sich negativ auf Futteraufnahme und Allgemeinbefinden aus, wodurch es besonders bei verminderter Aufnahme zu überschießendem Fettabbau kommen kann. Kritisch sind zudem 4. überkonditionierte Kühe, weil überkonditionierte Trockensteher später ein deutlich höheres Ketose-Risiko haben. Und zu guter Letzt verdienen 5. Tiere mit früheren Ketosefällen deine erhöhte Aufmerksamkeit. Ein gezieltes Herden-Monitoring unterstützt dich, Tiere zu identifizieren, die einen zusätzlichen Energieschub benötigen – so lässt sich frühzeitig eingreifen, bevor größere wirtschaftliche Schäden entstehen.

Fazit: Unsichtbar im Stall, sichtbar in der Bilanz

Subklinische Ketose zählt zu den häufigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Stoffwechselstörungen bei Milchkühen. Obwohl betroffene Tiere meist keine offensichtlichen Symptome zeigen, kann die Erkrankung erhebliche Auswirkungen auf Milchleistung, Fruchtbarkeit und Tiergesundheit haben.

Lies auch: Die Top 5 der teuersten Krankheiten von Milchkühen weltweit - Wenn deine Kühe heimlich dein Bankkonto plündern

Da viele Kühe äußerlich unauffällig erscheinen, entscheidet ein konsequentes Frischkuh- und Transitmanagement darüber, ob Ketose zum Kostenfaktor wird oder gar nicht erst entsteht.

Eine hohe Trockenmasseaufnahme rund um die Kalbung, die Vermeidung übermäßiger Körperfettmobilisation sowie die gezielte Überwachung von Frischkühen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen der Prävention.

Wer subklinische Ketose früh erkennt und konsequent vorbeugt, verbessert nicht nur die Gesundheit seiner Kühe, sondern stärkt langfristig auch die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit seines Betriebs.

 



 FAQ

 Was ist subklinische Ketose?

Bei der subklinischen Ketose zeigt deine Kuh keine sichtbaren Krankheitssymptome, hat aber bereits einen erhöhten Ketonkörperspiegel (BHB) im Blut. Sie bleibt oft unentdeckt, kann aber zu Leistungseinbußen und Folgeerkrankungen führen.

Wie kann ich subklinische Ketose erkennen?
Am zuverlässigsten ist die BHB-Messung im Blut. Zusätzlich helfen dir Milchketontests, Frischkuhkontrollen, Herdenmanagementprogramme und die Daten aus automatischen Melksystemen.

Ab welchem BHB-Wert spricht man von subklinischer Ketose?
In der Regel gilt ein BHB-Wert von 1,2 mmol/l oder höher im Blut als Grenzwert für eine subklinische Ketose.


Quelle

1 Quelle: UFA – Galt- und Transitphasenkonzept (ufa.ch); Elite Magazin.

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