Mehr als 80 Jahre ist es her, als das Q-Fieber erstmals im australischen Queensland beschrieben wurde. Die immer wieder auftretende klassische Zoonose, die durch das winzige Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst wird und vom Tier auf den Menschen übertragen wird, ist aber nahezu auf der ganzen Welt verbreitet. Da die Ursache der Krankheitsfälle zuerst unbekannt war, wurde die Infektionserkrankung damals vorläufig als „query fever“ bezeichnet, was übersetzt „fragliches Fieber“ bedeutet.

Kleinere Epidemien in ländlichen Gebieten

Überwiegend auf dem Land oder in den Außenbezirken von Städten – also dort, wo Tiere und Menschen dicht beisammen leben – kommt es immer wieder vereinzelt zu Krankheitsausbrüchen, die sich zu Epidemien ausweiten können. Zu der weltweit größten gemeldeten Q-Fieber-Epidemie in den letzten 20 Jahren kam es 2009 in den Niederlanden. Mehr als 2300 Erkrankungsfälle wurden damals im Nachbarland registriert, mindestens 25 Menschen starben an den Folgen der Infektion.  

Q-Fieber-Ausbrüche in ganz Deutschland 

Infektionen mit Q-Fieber treten mittlerweile in ganz Deutschland auf, besonders häufig konnte der Erreger im südlichen Bayern und in Baden-Württemberg, in Nordrhein-Westfalen und im nördlichen Küstengebiet von Niedersachsen nachgewiesen werden. Obwohl es sich bei Q-Fieber um eine meldepflichtige Tierkrankheit handelt, kann angenommen werden, dass die tatsächliche Anzahl der Fälle höher, vielleicht sogar viel höher ist als die tatsächlichen gemeldeten Fälle. Nach Angaben des Tiergesundheitsjahresberichts des Friedrich-Loeffler-Instituts wurden im Jahr 2019 insgesamt 188 Fälle gemeldet, davon 178 Fälle bei Rindern und zehn Fälle bei Schafen. Bei Ziegen wurden keine Fälle von Q-Fieber gemeldet. Halboffener Stall mit Fressgitter zu beiden Seiten

Q-Fieber-Erkrankungen bleibt meist unerkannt 

Infizierte Hauswiederkäuer (Rinder, Schafe und Ziegen) zeigen zwar oft keine Krankheitszeichen, scheiden den Erreger des Q-Fiebers jedoch über Milch, Urin und Kot aus. Besonders Geburtsprodukte wie Nachgeburt, Fruchtwasser und Lochialsekret der betroffenen Tiere sind hochinfektiös. Auch Katzen, Hunde, Kaninchen und Wildtiere (Rehe, Füchse etc.) sowie Vögel können als Überträger infrage kommen. Forschende vom Fraunhofer-Institut konnten außerdem nachweisen, dass auch Zecken den Erreger des Q-Fiebers übertragen. Eine wesentliche Rolle spielt vor allem der Zeckenkot, in dem die Bakterien in hohen Konzentrationen zu finden sind. Neben der beschriebenen Erregerverbreitung sind auch Neuzukäufe von gesund erscheinenden, aber bereits infizierten Tieren sowie kontaminierte Kleidung oder Gegenstände, die zuvor mit dem Erreger in Kontakt gekommen waren, Infektionsquellen.

Wann müssen Sie an Q-Fieber in Ihrem Rinder-, Schaf- oder Ziegenbestand denken?

Bei Tieren können die Symptome ganz unterschiedlich ausfallen. Während bei Schafen eine Infektion mit Coxiella burnetii komplett symptomfrei verlaufen kann, kommt es bei Ziegen häufig zu Aborten und zur Geburt lebensschwacher Lämmer. Beim Rind fällt das klinische Bild sehr unterschiedlich aus – dieses reicht von symptomlos über verlängerte Zwischenkalbezeit, Nachgeburtsverhalten bis hin zum Abort. Generell können folgende Symptome auf eine Q-Fieber-Erkrankung hinweisen:

  • Erhöhte Abortrate
  • Nachgeburtsverhaltungen
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Geburt lebensschwacher Jungtiere
  • Gebärmutter- und Euterentzündungen 

Welche Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen gibt es? 

Ein Ausbruch von Q-Fieber kann eine große Herausforderung darstellen. Bei Verdacht auf eine Infektion sollten Maßnahmen mit sofortiger und nachhaltiger Wirkung getroffen werden, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist, den direkten Kontakt zu infizierten, nicht geimpften Tieren zu vermeiden. 

Weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des Q-Fiebers 

  • Beachtung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen bei Geburtshilfe und Schur
  • Desinfizieren der Stallungen, Arbeitsmaterialien und Arbeitskleidung
  • Fachgerechte Entsorgung von Nachgeburten und Aborten in geschlossenen, flüssigkeitsundurchlässigen Behältnissen
  • Ablammen oder -kalben in geschlossenen Ställen und – wenn möglich – in getrennten Boxen
  • Frischen Mist sicher und über mehrere Monate lagern
  • Stallpflicht für hochtragende Tiere
  • Kein Zugang von betriebsfremden Personen zu Ihren Tieren
  • Keine öffentlichen Schafschuren oder Tierschauen durchführen
  • Rohmilch und Rohmilchprodukte nicht mehr an den Verbraucher weitergebenSchafherde beim Grasen

Gemeinsam ist man stärker 

Die Coxiellose (Q-Fieber) ist eine zu überwachende Krankheit und fällt unter die Meldepflicht nach dem Tiergesundheitsgesetz (TierGesG). Sollten Ihre Tiere Anzeichen einer Q-Fieber-Erkrankung zeigen, informieren Sie auf jeden Fall Ihren Tierarzt, der die notwendigen Untersuchungen durchführt. Bei Ausbruch einer Infektion sowie bei der Diagnostik und Prophylaxe – zum Beispiel Schutzimpfungen – ist außerdem eine enge Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt und Gesundheitsamt erforderlich. So kann die Infektionsquelle aufgespürt und weitere Erkrankungsfälle verhindert werden.