Schafe und Ziegen auf der Weide

Q-Fieber-Alarm im Zollernalbkreis: Was Betroffene und Milchviehhalter jetzt wissen müssen

Inga Oestereich

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16.10.2026

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6 Min. Lesezeit

Stell dir vor, du bist Hausarzt in einem beschaulichen Örtchen wie Rangendingen. An einem ganz normalen Septembertag kommen plötzlich mehrere Patienten mit ähnlichen Symptomen zu dir: Fieber, Husten, das Gefühl, als hätte sie ein Lkw überrollt. Du denkst erst an eine fiese Grippewelle – bis die Diagnose feststeht: Q-Fieber. Genau das ist am 18. September 2026 in Baden-Württemberg passiert, und die Geschichte zieht bis heute ihre Kreise.

Was bisher geschah

Alles begann in Rangendingen im Zollernalbkreis. Eine Arztpraxis meldete dem Gesundheitsamt mehrere Patienten mit starken Lungenbeschwerden – noch am selben Abend bestätigte sich der erste Q-Fieber-Fall. Von da an ging es Schlag auf Schlag:

    • 23.09.: vier bestätigte Fälle
    • Ende September: Fall Nummer fünf, wieder aus Rangendingen.
    • 01.10.: Auch im Nachbarort Hirrlingen (Landkreis Tübingen) erkranken zwei Menschen. Rangendingen selbst zählt da schon elf Fälle.
    • 02.10.: 15 Erkrankte im Zollernalbkreis, sieben davon mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Die gute Nachricht: Antibiotika schlagen gut an.
    • 08.10.: 18 Fälle im Kreis plus die zwei Hirrlinger Fälle, die laut Landratsamt direkten Bezug zu Rangendingen haben.
    • 16.10.: Nur noch ein neuer Fall – macht nach aktuellem Stand rund 19 Fälle im Zollernalbkreis, dazu die 2 in Tübingen.

Die Entwicklung flacht also spürbar ab. Trotzdem bleibt die spannendste Frage bis heute offen.

Die Suche nach dem Patienten Null – nur gibt's den hier als Tier

Bei Q-Fieber ist der Übeltäter fast immer in der Tierhaltung zu finden – meist bei Schafen, Ziegen oder Rindern, die den Erreger Coxiella burnetii ausscheiden können, ganz besonders bei der Geburt. Deshalb hat das Veterinäramt sofort reagiert und in Rangendingen, Hechingen und sogar im etwas weiter entfernten Meßstetten Tierbestände unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis bis jetzt (16.10.26): Nichts gefunden. Mehrere Betriebe wurden getestet – alle negativ. Selbst ein Wanderschäfer aus dem Raum Hechingen ließ seine Herde vorsorglich checken und bekam Ende September schriftlich bestätigt: Seine Schafe sind gesund.

Warum das so schwierig ist? Weil Tiere den Erreger nicht dauerhaft ausscheiden. Ein negativer Test heute bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Bestand nie betroffen war. Das Landratsamt geht deshalb offen von einer gewissen Dunkelziffer aus – sprich: Es könnte Bestände geben, die positiv sind, ohne dass es bisher auffiel. Das ist der Grund, warum man nach wie vor keine klare Entwarnung geben kann.

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Q-Fieber bei Menschen: Was Sie über die Krankheit wissen müssen

Die Rolle des Wetters bei Q-Fieber – und warum das für dich als Landwirt wichtig ist

Hier wird's für dich als Milchviehhalter besonders interessant: Das Landratsamt vermutet, dass die vorausgegangene Trockenheit den Ausbruch begünstigt hat. Der Grund ist simpel, aber tückisch: Coxiella burnetii ist extrem widerstandsfähig und kann sich an Staubpartikel heften. Bei trockenem Wetter wirbelt dieser erregerhaltige Staub einfach durch die Luft – bis zu 18km weit1 – und genau darüber infizieren sich Menschen, oft ganz ohne direkten Tierkontakt.

Auch Geburten bei Wiederkäuern, die unter freiem Himmel passieren, kontaminieren die Umgebungsluft. Pro Gramm Nachgeburt werden bis zu 1 Milliarde Coxiellen ausgestoßen und bereits 10 Stück reichen für eine Ansteckung aus.2, 3 So warnte zum Beispiel der Gaia Zoos in Kerkrade (Niederlande) in der Nähe von Aachen im Mai 2025 seine Besucher vor einer möglichen Q-Fieberinfektion, denn dort haben mit Q-Fieber infizierte Wald-Rentiere Jungtiere auf die Welt gebracht und hätten das Bakterium so auf den Menschen übertragen können.

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Die Behörde hofft nun, dass feuchteres Herbstwetter diese Staubverbreitung eindämmt. Für dich heißt das im Umkehrschluss: Gerade in trockenen Phasen, besonders rund um Abkalbungen oder Ablammungen, lohnt es sich, auf Hygiene und Staubbindung in und um die Ställe besonders zu achten. Mist und Einstreu sollten zügig entsorgt, Lagerflächen möglichst feucht gehalten werden.

Was du jetzt tun solltest

Auch wenn bislang kein Ausbruchsbetrieb identifiziert wurde, zeigt der Fall: Q-Fieber ist kein theoretisches Risiko, sondern kann plötzlich mitten in der Nachbarschaft auftauchen. Ein paar praktische Punkte, die sich lohnen:

    • Geburten von Rindern, Schafen und Ziegen möglichst hygienisch und mit Abstand zu Wohnbereichen durchführen. Da das Bakterium über die Luft übertragen wird, unbedingt Masken tragen.
    • Nachgeburten und Fruchtwasser zügig entsorgen, nicht offen liegen lassen.
    • Bei ungeklärten Fieber- oder Lungensymptomen im eigenen Umfeld auch an Q-Fieber denken und den Hausarzt informieren, dass man in der Tierhaltung arbeitet.
    • Den Kontakt zum Veterinäramt suchen, falls eine Testung des eigenen Bestands sinnvoll erscheint – lieber einmal zu viel nachgefragt als zu wenig.

Die Lage bleibt dynamisch, und die aktuellsten Zahlen stammen größtenteils aus Lokalberichten, die sich auf Anfragen beim Landratsamt stützen. Eine druckfrische amtliche Pressemitteilung gibt es derzeit nicht – wir bleiben am Ball und informieren dich weiter.


Häufige Fragen zum Q-Fieber-Ausbruch in Baden-Württemberg

Wo genau ist der Ausbruch? Der Schwerpunkt liegt in Rangendingen im Zollernalbkreis, mit weiteren Fällen in Hechingen, Meßstetten und im Nachbarkreis Tübingen (Hirrlingen).

Wie viele Menschen sind erkrankt? Stand 16.10.2026 rund 19 Fälle im Zollernalbkreis plus 2 im Landkreis Tübingen.

Wurde die Infektionsquelle gefunden? Nein, bislang wurde kein Ausbruchsbetrieb identifiziert. Alle bisher getesteten Tierbestände waren negativ.

Ist Q-Fieber gefährlich? Es kann zu Grippesymptomen führen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Mattigkeit sowie Fieber - das teilweise sehr hoch sein kann. Zudem kann es zu Lungenentzündungen und auch Herzerkrankungen führen. Q-Fieber kann ebenfalls Fehlgeburten, Totgeburten oder eine Frühgeburt verursachen – auch dann, wenn man selbst kaum Symptome hat.

Wie steckt man sich an? Meist über erregerhaltigen Staub, der durch trockene Witterung verbreitet wird – oft ganz ohne direkten Tierkontakt.

Was können Landwirte jetzt tun? Besonders bei Geburten auf Hygiene achten, Nachgeburten zügig entsorgen und bei Unsicherheiten das Veterinäramt kontaktieren.

 

 

Quellen

    • A large outbreak of Q fever in the West Midlands: windborne spread into a metropolitan area? JI Hawker, JG Ayres, I Blair, MR Evans, DL Smith, EG Smith, PS Burge, MJ Carpenter, EO Caul, B Coupland, U Desselberger, ID Farrell, PJ Saunders, MJ Wood, Sept. 1998
    • Hilbert, A., 2015. Coxiella burnetii – Epidemiologische Untersuchungen zum Vorkommen und zur Verbreitung in Schaf- und Rinderbeständen in Deutschland. Berlin, Freie Universität, veterinärmed. Fak., Diss.

3 Bundesinstitut für Risikobewertung, 2003. Q-Fieber: Übertragung des Erregers Coxiella (C.) burnetii in Tierbeständen und durch Lebensmittel auf den Menschen

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