Immer wieder wird über Hormone in der Milch und angeblich gesundheitliche Risiken spekuliert. Leider werden dabei die wissenschaftlichen Fakten über Hormone nicht immer korrekt berücksichtigt oder auch, vermutlich oft unwissentlich, falsch interpretiert. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind trotzdem verunsichert, ob sie selbst oder ihre Kinder guten Gewissens Kuhmilch oder Milchprodukte genießen dürfen. Doch für Panikmache oder Angst vor Krebserkrankungen durch den Verzehr von Kuhmilch oder Milchprodukten, die angeblich über Hormone ausgelöst werden könnten, besteht absolut kein Anlass.

Grundsätzlich können wir feststellen, dass Hormone in der Milch im menschlichen Körper nicht wirken. Dazu stellt auch das Bundesamt für Risikobewertung BfR fest, dass ausgehend von vorliegenden wissenschaftlichen Daten durch Hormone in tierischen Nahrungsmitteln kein Gesundheitsrisiko besteht.1

Schauen wir uns also die Fakten über Hormone in der Mich einmal etwas genauer an!

  • Hormone sind natürliche chemische Substanzen, die von Lebewesen selbst erzeugt werden
  • Durch Nahrung aufgenommene Hormone werden fast komplett abgebaut
  • Hormonell oder medizinisch behandelte Tiere unterliegen einer Wartezeit

Wie kommen Hormone in die Milch?

Hormone sind natürliche chemische Substanzen, die von allen Lebewesen selbst erzeugt werden. Das Wort „hormon“ stammt aus dem Griechischem und bedeutet „antreibend“. Und genau das tun Hormone auch: Sie sind wichtige Botenstoffe, die im Körper Signale übermitteln, um Prozesse anzutreiben, zu aktivieren und zu steuern. Da die Milch ein tierisches Produkt ist, ist es völlig normal, dass sie auch Hormone enthält, die von der Kuh gebildet werden. Ebenso verhält es sich mit Fleisch, Fisch oder Eiern. Auch diese tierischen Nahrungsmittel enthalten ganz natürlich Hormone. Übrigens bilden nicht nur Tiere Hormone, sondern auch Pflanzen - zum Beispiel zur Regulierung von Wachstum und Blüte.

Welche Hormone kommen in der Milch vor?

Durch die natürlichen Prozesse in einer Kuh können die verschiedensten Hormone in der Milch nachgewiesen werden. Dazu gehören insbesondere die Sexualhormone Progesteron, Testosteron und Östrogen. Tatsächlich sind die Konzentrationen dieser Hormone in der Milch höher als zum Beispiel in Fleisch, Fisch oder Eiern. Doch diese Hormone werden auch vom menschlichen Organismus selbst gebildet, und zwar in vielfach höheren Mengen pro Tag als zum Beispiel in einem Glas Milch enthalten sind. Oft diskutiert wird auch das Wachstumshormon IFG-1 im Hinblick auf Krebsgefahr. Auch dieses Hormon wird vom menschlichen Körper selbst gebildet. Die durch Milch zusätzlich aufgenommenen Mengen sind nach allgemeiner Einschätzung zu gering, um einen nachweisbaren Einfluss auf Erkrankungen zu haben.

Kuh mit Melkzeug am Euter

Was passiert mit Hormonen, die mit der Nahrung aufgenommen werden?

Mit der Nahrung aufgenommene Hormone können überhaupt nicht in gleicher Weise wirken wie die vom Körper selbst gebildeten Hormone. Erstens ist die Menge im Vergleich zur Eigenproduktion verschwindend gering. Und zweitens müssen die Substanzen den Verdauungstrakt passieren. Die Hormone werden im Körper hier sehr schnell abgebaut und zu etwa 95 bis 99 % durch die Leber neutralisiert, die unser körpereigenes Entgiftungsorgan ist. Bisher konnte zum Beispiel noch kein intaktes IFG-1 Hormon aus Kuhmilch im menschlichen Blut nachgewiesen werden. Nach derzeitigem Stand der wissenschaftlichen Daten geht daher von mit der Nahrung aufgenommenen Hormonen keine Wirkung und kein Risiko aus.1

Was ist mit Hormonen, die Kühen als Arznei künstlich verabreicht wurden?

Zunächst sollte klar sein, dass sogenannte „Fütterungshormone“, die früher zu Mastzwecken verabreicht wurden, bereits seit 1988 EU-weit verboten sind. Erlaubt sind dagegen bestimmte Hormone zur medizinisch-therapeutischen und tierzüchterischen Anwendung. Welche Hormone dies sind, ist im Anhang der EU-Verordnung Nr. 37/2010 genau festgelegt und auch die Menge und Art der Verwendung ist nur nach bestimmten Vorschriften zulässig. Hormonelle Behandlungen von Nutztieren können zum Beispiel bei Fruchtbarkeitsstörungen oder zum Abbruch einer Trächtigkeit durchgeführt werden.

Hormonell oder medizinisch behandelte Tiere unterliegen einer Wartezeit.

2 braune Kühe mit Blick nach oben in Kamera

Wurde eine Kuh hormonell oder mit anderen Arzneimitteln behandelt, treten automatisch Wartezeiten in Kraft, die eingehalten werden müssen, bis ein Tier geschlachtet oder seine Produkte als Nahrungsmittel wieder in den Handel kommen dürfen. Diese Wartezeiten wurden mit dem Zulassungsverfahren der jeweiligen Arzneimittel festgelegt, das eine gesundheitliche Bewertung der Stoffe beinhaltet. Die Wartezeiten sind so bemessen, dass mögliche Rückstandsmengen einen Grenzwert nicht überschreiten können und damit eine Gesundheitsgefährdung für Verbraucher praktisch ausgeschlossen werden kann. So ist sichergestellt, dass auch Milch von behandelten Kühen erst wieder in den Handel kommen kann, wenn sie unbedenklich ist.

Milch ist unverändert ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass Milch und die daraus entwickelten Milchprodukte seit Jahrtausenden wichtige Grundnahrungsmittel für die Menschen sind. Hormone sind ebenfalls natürliche Stoffe und es sollte nun etwas klarer sein, dass man sich vor ihnen auch in der Nahrung nicht fürchten muss. Wer also keine medizinischen Unverträglichkeiten wie zum Beispiel Laktose-Intoleranz hat, darf weiterhin seine Milch genießen.

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Quelle:
1 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Fragen und Antworten zu Hormonen in Fleisch und Milch, FAQ des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 11. Juni 2014; www.bfr.bund.de