Im Jahre 1980 feierte Trichophyton verrucosum, der Erreger der Glatzflechte, eine wahre Stallparty auf norwegischen Kuhbetrieben.
Jede Kuh musste mitmachen, ob sie wollte oder nicht. Der Hautpilz ist nämlich nicht nur hochgradig ansteckend, sondern auch extrem widerstandsfähig, weshalb er viele Monate auch unter nicht optimalen Bedingungen überleben kann.

Da die Hautpilzerkrankung in Norwegen im Gegensatz zu Deutschland meldepflichtig ist, bemerkten die Behörden recht schnell, dass sie gegensteuern müssen, um das Tier- und Menschenwohl wieder herzustellen. Richtig gelesen: Auch Menschen müssen sich manchmal unfreiwillig mitjucken, denn die Erkrankung ist eine Zoonose.

Mehr zur Gefahr dieser Zoonose lesen Sie hier.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie die norwegischen Behörden der Erregerparty Einhalt gebieten konnten, und warum dies auch eine Maßnahme für Deutschland sein könnte.

  • Die Erregerparty nimmt unkontrolliert seinen Lauf
  • Der Impferfolg betritt die Bühne
  • Hat der Erreger in Norwegen heute noch Grund zum Feiern?

Kuhherde von oben auf der Weide

Rinderflechteparty artet aus

Bis knapp 1980 verbreitete die Rinderflechte sich ungehemmt auf norwegischen Milchviehbetrieben und war bis dahin in fast jeder Region vertreten.

Auch aufgrund der Gefahr der Übertragung auf den Menschen erteilten die norwegischen Behörden die Zulassung für den Trichophytie-Impfstoff kurz nach Entwicklung des russischstämmigen Impf-Stamms. Innerhalb von 2 Jahren wurden rund 200.000 Kühe in Norwegen geimpft.

Das Impfschema sieht laut Hersteller 2 Injektionen im Zeitraum von 10 – 14 Tagen vor.
Die prophylaktische Dosis erfolgt je nach Alter:
  • Für Kälber zwischen 0 und 4 Monaten: 5ml
  • Für Kälber zwischen 4 und 8 Monaten: 8 ml
  • Für Tiere ab 8 Monaten: 10 ml
Die Dosis zum therapeutischen Einsatz ist jeweils doppelt so hoch.

Der Trichophytie-Impfstoff ist noch heute in Deutschland verfügbar und hat gezeigt, dass auch schon geringere Dosen sowohl in der Prophylaxe als auch in der Therapie ausreichen.
Nach unterschiedlichen Spritzenversuchen stellten die Tierärzte fest, dass die Spritzpistole hier das Mittel der Wahl bei der Applikation des Impfstoffs darstellte.

Nun brauchte man nur noch ein geeignetes Markierungsverfahren für die geimpften Tiere. Damals verfügte man noch nicht über das geeignete Werkzeug für Ohrmarken, weshalb relativ schnell die Dokumentation über eine Gesundheitskarte erfolgte – heute würde man sagen: Das Impfbuch war geboren.

Der Impferfolg stellt sich ein

In einem besonders stark betroffenen Gebiet mit Rinderflechte erfolgte die Impfmaßnahme bei 350 Herden unter genauster Dokumentation, wodurch der Impferfolg messbar wird. Auch, weil der Impfstoff nicht nur bei betroffenen Tieren, sondern ebenso prophylaktisch eingesetzt werden kann.

Das Programm definierte 4 Impfgruppen:
  • Impfung aller Zuchttiere in neuinfizierten Herden
  • Impfung aller Rinder mit Weidegang
  • Impfung aller Kälber in Betrieben mit hohem Reinfektionsrisiko (solche, bei denen ältere Tiere bereits Rinderflechte hatten und dementsprechend immun waren)
  • Impfung aller Tiere, die zum Kauf bzw. Verkauf vorgesehen waren

Bei der Untersuchung des Rinderflechte Geschehens zwischen Herbst 1980 und Frühjahr 1981 konnte ein so erheblicher Erfolg durch die Trichophytie-Impfung festgestellt, werden, dass bis Juni 1981 von anfänglich 70 Betrieben nun nur noch 10 Betriebe Auflagen durch die Behörden unterlagen.
Mehr als 6.000 Tiere befanden sich in diesem Zeitraum in Weidehaltung. Vor der Impfung kehrten stets mehrere hundert Kühe mit Trichophytie erkrankt zurück - in diesem Sommer kein einziges.
Daraus schlussfolgerten die Behörden eine nahezu 100%ige Wirkung bei Impfung mit einer prophylaktischen Dosis der Rinderflechte-Impfung. Bei zuvor erkrankten Tieren lag die Rückfallquote bei 50 %, was daraus resultierte, dass man zu früh mit den Folgeimpfungen aufgehört hatte, keine ausreichende Stallhygiene einhielt und zugekaufte Tiere ohne Impfung auf die Betriebe kamen.

Kuh mit Flechte am Kopf mit Schnauze in Kamera

Hat der Erreger in Norwegen heute noch Grund zum Feiern?

Aus Erregersicht muss man sagen: Leider nein.
Durch das konsequente Impfprogramm, welches bis heute für neugeborene Kälber und zugekaufte Tiere gilt, ist der Hautpilz in Norwegen so gut wie ausgemerzt.
Bis 2012 unterlagen nur noch 2 Betriebe behördlichen Auflagen.

So nahm die Erregerparty von Trichophyton verrucosum auf norwegischen Rinderbetrieben nach vielen Jahrzehnten ein jähes Ende.

Leider kommt es bei uns jedes Jahr immer wieder zu größeren Rinderflechteausbrüchen.

Die Erfahrungen aus Norwegen zeigen, dass auch ohne ein amtliches Eradikationsprogramm in Deutschland der prophylaktische Einsatz des Trichophytie-Impfstoffs deutlich dazu beitragen könnte, Hautpilzausbrüche auf unseren Milchviehbetrieben zu minimieren oder gar auszurotten.

Mehr zur wirksamen Behandlung von Trichophytie lesen Sie hier.

Quellen:

Veterinary Immunology and Immunopathology – Control of bovine ringworm by vaccination in Norway (Arve Lund,Anna Marie Bratberg, Bjorn Naess, Gerd Gudding), 2013

Vaccination of Norwegian Cattle against Ringworm by O.Aamodt, B. Naess and O. Sandvik, 1982 Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg