Im Jahr 2025 wurde in den Vereinigten Staaten bei Milchkühen hochpathogene Vogelgrippe (H5N1) festgestellt. Das wirft bei europäischen Milchviehhaltern Fragen auf: Kann dies auch hier passieren und was bedeutet das für meinen Betrieb?
Die europäische Sicherheitsbehörde EFSA hat diese Situation analysiert und wir haben sie uns für dich angeschaut.
Was geschah in den USA?
In den USA wurde bei Milchkühen eine spezifische H5N1-Variante identifiziert. Die Infektion erfolgte hauptsächlich:
- über Milch und Melkgeräte,
- während des Melkens durch Aerosole und Milchtröpfchen im Melkstand.
Viele Kühe zeigten keine allgemeinen Krankheitssymptome, entwickelten aber Mastitis und einen sehr starken Milchleistungsrückgang. Bemerkenswerterweise konnten infizierte Kühe das Virus über ihre Milch ausscheiden, manchmal sogar bevor sichtbare Veränderungen auftraten.
Welches Risiko besteht für Europa?
Laut EFSA ist das Risiko, dass diese spezifische H5N1-Variante Europa erreicht, gering. Die Einfuhr infizierter Rinder aus den USA ist praktisch unmöglich, und eine Übertragung durch Zugvögel ist höchst unwahrscheinlich. Lediglich in Westfrankreich und Irland besteht während der Zugzeiten ein etwas höheres lokales Risiko.
Die EFSA warnt jedoch: Sollte sich das Virus etablieren, könnten die Auswirkungen erheblich sein – sowohl für die Tiergesundheit als auch für die Milchproduktion und die Betriebsführung. Daher ist es ratsam, vorbereitet zu sein.
Können europäische H5N1-Varianten Rinder infizieren?
Die in Europa zirkulierenden H5N1-Varianten des Geflügels unterscheiden sich genetisch vom amerikanischen Stamm. Bislang wurden in Europa keine Infektionen bei Rindern nachgewiesen. Darüber hinaus scheinen Rinder relativ unempfindlich gegenüber den europäischen Varianten zu sein.
Das Risiko ist jedoch nicht gleich null. Influenzaviren können mutieren. Zu den theoretischen Risikofaktoren zählen intensiver Kontakt zwischen Geflügel und Rindern, indirekte Exposition über (Geflügel-)Mist, Staub oder Wasser sowie eine hohe Viruslast während schwerer Geflügelausbrüche.
Was bedeutet das für Dich als Milchviehhalter?
Die EFSA fasst es klar zusammen: Das Risiko ist gering, aber Wachsamkeit bleibt geboten. Das heißt:
- Vermeide den Kontakt zwischen Rindern und Geflügel.
- Verhindere soweit wie möglich den Zugang von Wildvögeln zum Stall, Futter und Trinkwasser.
- Verstärke deine Biosicherheitsmaßnahmen während Risikoperioden.
- Milchhygiene ist entscheidend.
Gute Biosicherheitsmaßnahmen schützen dich und deine Tiere auch vor anderen Krankheiten, wie z.B. Zoonosen. Biosicherheit sollte deshalb auch außerhalb dieser Risikoperioden bei dir groß geschrieben werden.
Lies auch: Biosicherheit in der Rinderhaltung: Die fünf häufigsten Desinfektionsfehler – und wie sie vermieden werden
Die Erfahrungen in den USA zeigen, dass das Euter eine wichtige Eintrittspforte für das Virus ist. Daher betont die EFSA die Wichtigkeit der gründlichen Reinigung und Desinfektion aller Melkgeräte. Gute Hygiene von Melkzeugen, Leitungen und Melkrobotern sowie die Beachtung von Händen, Kleidung und Stiefeln im Melkstand sind unerlässlich. Diese Prinzipien sind nicht neu, aber wichtiger denn je.
Und wie steht es um die Lebensmittelsicherheit?
Eine beruhigende Nachricht: Pasteurisierung eliminiert H5N1 effektiv. Pasteurisierte Milch und Milchprodukte sind sicher. Rohmilch und Rohmilchprodukte bergen theoretisch ein höheres Risiko, aber auch hier scheint das Infektionsrisiko in der Praxis sehr gering zu sein.
Fazit
Die Situation in den USA zeigt, dass sich die Vogelgrippe mitunter anders verhalten kann als erwartet. Das Risiko für Europa bleibt gering, doch die potenziellen Folgen sind so gravierend, dass weiterhin Wachsamkeit geboten ist. Gute Milchhygiene, strenge Biosicherheitsmaßnahmen und die umgehende Kontaktaufnahme mit dem Tierarzt bei unklaren Krankheitssituationen sind nach wie vor der beste Schutz.
Quellen
1 EFSA (2025). Risk of infection of dairy cattle in the EU with highly pathogenic avian influenza virus (H5N1, clade 2.3.4.4b, genotype B3.13). EFSA Journal 23:e9801.
2 FAO (2025). Preliminary rapid risk assessment of food-borne avian influenza A (H5N1).
3 FAO (2025). Preliminary rapid risk assessment of food-borne avian influenza A (H5N1).
4 UK Food Standards Agency (2025). Assessment of the hypothetical risk of H5N1 in milk and dairy products.