Milchkuh lugt unter der Herde hervor

Mortellaro bei der Kuh – Übertragungswege, Risikofaktoren und Bekämpfungsmöglichkeiten

Dr. Christina Hirsch

·

20.03.2026

·

5 Min. Lesezeit

Praxisnaher Leitfaden für Landwirte zur Kontrolle der Dermatitis Digitalis im Bestand

Das erwartet Sie in diesem Artikel

    • warum Mortellaro heute vor allem ein Bestandsproblem ist
    • wie sich Mortellaro im Stall und zwischen Tieren überträgt
    • welche Haltungs-, Management- und Tierfaktoren das Auftreten begünstigen
    • warum nicht nur lahme Kühe, sondern auch chronisch betroffene Tiere entscheidend sind
    • welche Bekämpfungsmaßnahmen in der Praxis wirklich greifen

Die Dermatitis Digitalis (Mortellaro) ist heute weniger ein Einzeltierproblem als vielmehr eine Bestandserkrankung. Möchtest du als Landwirt Mortellaro erfolgreich kontrollieren, muss du verstehen, wie sich die Erkrankung verbreitet, welche Faktoren sie begünstigen und an welchen Stellschrauben im Betrieb du angesetzt kannst. Ziel ist nicht die kurzfristige „Reparatur“, sondern eine dauerhafte Reduktion des Infektionsdrucks.

Übertragungswege – wie wird Mortellaro von Kuh zu Kuh übertragen?

Mortellaro ist eine infektiöse Hauterkrankung, deren Erreger sich vor allem in feuchter, verschmutzter Umgebung halten und vermehren. Die Übertragung erfolgt überwiegend indirekt, weniger über direkten Tierkontakt.

Zentrale Übertragungswege im Stall

    • Feuchte, kot- und harnverschmutzte Laufgänge
      Der wichtigste Übertragungsweg: Erregerhaltiger Schmutz gelangt dauerhaft an die empfindliche Haut im Klauenbereich.
    • Klauenpflege und Klauenpflegestände
      Unzureichend gereinigte Werkzeuge oder Standflächen können Erreger von Tier zu Tier weitertragen.
    • Gemeinsame Nutzung von Treibwegen, Wartebereichen und Melkstand
      Besonders kritisch bei vielen Tieren mit aktiven Läsionen.
    • Zukauf von Tieren
      Neue Tiere können Mortellaro unauffällig (z. B. als chronisches Stadium) in den Bestand eintragen.
    • Klauenbäder mit mangelhafter Hygiene
      Stark verschmutzte oder zu selten gewechselte Lösungen können die Erreger eher verteilen als reduzieren.

 Wichtig: Auch klinisch unauffällige, chronisch betroffene Tiere spielen eine zentrale Rolle bei der Erregerverbreitung im Bestand. 

Risikofaktoren – warum bricht Mortellaro aus?

Ob sich Mortellaro im Bestand etabliert, hängt weniger vom einzelnen Erreger ab, sondern von einer Kombination mehrerer Risikofaktoren.

Haltungs- und Umweltfaktoren

    • dauerhaft feuchte Laufgänge
    • unzureichende Entmistung
    • hoher Kot- und Harnanteil auf den Laufflächen
    • glatte, rutschige oder scharfkantige Böden → Mikroverletzungen der Haut
    • hohe Besatzdichte

Managementfaktoren

    • unregelmäßige oder fehlende funktionelle Klauenpflege
    • fehlendes Monitoring (Mortellaro wird erst bei Lahmheit bemerkt)
    • kein stadienbezogenes Vorgehen
    • fehlende Kontrolle oder Quarantäne bei Zukaufstieren

Tierbezogene Faktoren

    • Frischlaktation und Stoffwechselstress
    • geschwächtes Immunsystem
    • Jungkühe und Färsen nach dem Abkalben besonders gefährdet

Zusammengefasst: Mortellaro ist kein Zufall, sondern das sichtbare Ergebnis von Feuchtigkeit, Infektionsdruck und Managementlücken.

Bekämpfungsmöglichkeiten – was hilft wirklich gegen Mortellaro?

Eine erfolgreiche Bekämpfung von Mortellaro basiert immer auf mehreren Säulen. Einzelmaßnahmen allein reichen nicht aus.

1️. Früherkennung und konsequentes Monitoring

    • regelmäßiges Hinschauen, nicht erst bei Lahmheit
    • Kontrolle der Klauen im Melkstand, beim Fixieren oder bei der Klauenpflege
    • Einordnung der Befunde nach M-Stadien
    • Dokumentation der Befunde (auch in einfacher Form)

Ziel: Aktive Veränderungen erkennen, bevor schmerzhafte Lahmheiten entstehen.

2️. Gezielte Behandlung statt Gießkanne

    • aktive Läsionen gezielt lokal behandeln
    • chronische Läsionen bewusst in Präventionsstrategien einbeziehen
    • keine pauschale Behandlung aller Tiere ohne Befund

Wichtig: Mortellaro ist stadienabhängig – eine Maßnahme passt nicht für jede Situation.

Lies auch zum Thema: Mortellaro bei Kühen – gibt es eine Behandlungsmöglichkeit im Kampf gegen Dermatitis Digitalis?

3️. Klauenbäder – sinnvoll, aber nur richtig eingesetzt

Klauenbäder sind ein zentrales Werkzeug, ersetzen jedoch keine Einzelbehandlung.

Worauf es ankommt:

    • möglichst saubere Klauen vor dem Bad
    • passende Länge, Tiefe und Konzentration
    • regelmäßiger Wechsel der Lösung
    • Einbindung in ein Gesamtkonzept

Ziel: Reduktion des Infektionsdrucks, nicht Heilung akuter Einzelläsionen.

4️. Verbesserung der Laufganghygiene

Der wichtigste Punkt für den langfristigen Erfolg.

    • häufige und konsequente Entmistung
    • Reduktion von Feuchtigkeit
    • funktionierende Schieber und ausreichend Gefälle
    • Beseitigung typischer Problemzonen (Ecken, Wartebereiche)

Merksatz: Trockene Klauen sind der beste Mortellaro-Schutz.

Ansicht von Kuhbeinen, die in einer Reihe im Stall stehen und einen langen Tunnel bilden

5️. Klauenpflege strategisch nutzen

    • regelmäßige funktionelle Klauenpflege
    • gezielte Kontrolle auf frühe Hautveränderungen
    • Reinigung von Werkzeugen und Pflegestand
    • bei Bedarf Trennung stark betroffener Tiere

6️. Umgang mit chronisch betroffenen Tieren

    • chronisch veränderte Klauen als Erregerreservoir ernst nehmen
    • regelmäßige Kontrolle auf erneute Aktivierung
    • nicht ignorieren, nur weil keine Lahmheit sichtbar ist 

Fazit: Mortellaro lässt sich kontrollieren – aber nur systematisch

Mortellaro verschwindet nicht durch Einzelmaßnahmen. Erfolgreiche Betriebe zeichnen sich aus durch:

    • Verständnis der Übertragungswege
    • konsequentes Management der Risikofaktoren
    • Früherkennung statt reiner Lahmheitsbehandlung
    • Kombination aus Hygiene, Klauenpflege, Monitoring und gezielten Maßnahmen

Wer Mortellaro als Bestandsproblem begreift und entsprechend handelt, kann Schmerzen reduzieren, Lahmheiten vermeiden und die Klauengesundheit nachhaltig verbessern.

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