Im landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb ist die optimale Aufzucht der Kälber entscheidend für die spätere Leistung der Kühe und den wirtschaftlichen Erfolg – und speziell die Fütterung der Kälber ist wiederum ein Faktor, der in der Aufzucht vom ersten Tag an besonders wichtig ist und sich langfristig auf die Kälbergesundheit und Milchleistung auswirkt.

Eine grundsätzliche Frage ist dabei die Verwendung von Vollmilch oder Milchaustauschern (MAT). Beide Fütterungsarten sind weit verbreitet und haben ihre eigenen Vor- und Nachteile im Hinblick auf die Kälbergesundheit, Leistung und praktische Anwendung im Betrieb. Während die Vollmilchfütterung der Kälber weitgehend der natürlichen Versorgung entspricht, müssen Milchaustauscher besondere Anforderungen erfüllen, um die natürliche Qualität der Vollmilchversorgung zu erreichen oder sogar zu übertreffen.

Schauen wir uns daher etwas genauer an, wie die Milchfütterung der Kälber durchgeführt werden sollte und was bei der Auswahl und Verfütterung von Milchaustauschern zu beachten ist.

  • Kolostrum ist der beste Start für jedes Kalb

  • Vollmilch setzt den natürlichen Maßstab für optimale Kälberfütterung

  • Milchaustauscher müssen die Qualität der Vollmilch erreichen

  • Inhaltsstoffe der verschiedenen MAT genau vergleichen

Milchfuetterung Kalb Stall -1




Hochwertiges Kolostrum: Der beste Start mit Biestmilch!

Den Auftakt der Milchfütterung der Kälber bildet in jedem Fall die optimale Kolostrumversorgung der Neugeborenen. Biestmilch oder Kolostrum ist die erste Milch, die das Kalb von seiner Mutter bekommt und extrem wichtig für den Schutz des Kalbes vor Krankheiten.

Das erste Gemelk enthält etwa 100 g an Immunglobulinen pro Liter und ist entscheidend für die Widerstandsfähigkeit der neugeborenen Kälber gegen die Vielzahl an Keimen und Krankheitserregern in ihrer Umgebung. Nach der Geburt sollte so viel Kolostrum wie möglich verabreicht werden – das Ziel sollten 4 Liter Biestmilch in den ersten 6 Stunden sein. Mehr dazu lesen Sie auch in unserem Beitrag zur Kälberresilienz.

Nach dieser ersten wichtigen Versorgung der Kälber stellt sich die Frage, wie die richtige Milchfütterung der Kälber weitergehen soll – mit Vollmilch oder Milchaustauschern (MAT).

Gesunde Kälberaufzucht: Vollmilch oder Milchaustauscher?

Die natürliche, muttergebundene Kälberaufzucht ist selbstverständlich der Idealfall, der sich in der landwirtschaftlichen Praxis jedoch nur schwer verwirklichen lässt. Umso wichtiger ist es, dass in der Kälberaufzucht die Tiere dennoch alle notwendigen und lebenswichtigen Nährstoffe erhalten – ob über die Verfütterung mit Vollmilch oder durch Milchaustauscher.

 

  • Vollmilch ist der natürliche Qualitätsmaßstab

    Es ist nicht verwunderlich, dass Vollmilch für die Jungtiere die natürlichste und nahrhafteste Futterquelle ist. Im Durchschnitt enthält Vollmilch etwa 3,1 bis 3,5 % Eiweiß, 4 % Fett, 2,5 % Kasein, 4,9 % Laktose und 0,75 % Mineralstoffe – und die Zusammensetzung ist genau auf die Bedürfnisse der Kälber abgestimmt.

  • Veränderung der Vollmilch durch Züchtung

    Allerdings muss auch beachtet werden, dass sich die Vollmilch durch Domestikation und Züchtung der Rinder verändert hat und somit in manchen Fällen den Bedarf der Kälber nicht vollständig deckt. So kann es auch bei Vollmilch-Fütterung zu Defiziten bei der Versorgung mit Vitaminen (z. B. Vitamin A, C, E) und Spurenelementen (Selen, Eisen, Kupfer, Mangan) kommen, die durch eine Nahrungsergänzung gezielt ausgeglichen werden sollten. Auch der Fettgehalt der Vollmilch hat durch die Züchtung zugenommen, was bei den Kälbern zu höherem Durchfallrisiko führen kann.

  • Risiken durch Variabilität der Vollmilch

    Die Zusammensetzung der Vollmilch ist weiterhin natürlichen Schwankungen unterworfen, so dass nicht immer eine gleichbleibende Versorgung der Kälber sichergestellt sein muss. So kann insbesondere Mastitis-Milch Verdauungsstörungen und Durchfall hervorrufen und eine unterschiedliche Verfügbarkeit von Milcheiweiß aufweisen. Auch hier sollten durch Nahrungsergänzung Defizite ausgeglichen werden.

Achten Sie auf die Qualität der Milchaustauscher!

Beim Übergang auf Milchaustauscher ist unbedingt auf eine hohe Qualität der MAT zu achten. Wer hier nicht genau hinschaut, spart an der falschen Stelle und kann der optimalen Entwicklung der Kälber schaden. Achten Sie unbedingt auf die genaue Zusammensetzung der Milchaustauscher!

  • Verschiedene Arten von Milchaustauschern

Grundsätzlich konnten MAT bisher in drei Arten eingeteilt werden, die sich in ihren Inhaltsstoffen unterscheiden. Heute jedoch sind sie meist nicht mehr in Reinform, sondern als Mischform der verschiedenen Zusammensetzungen erhältlich:

  • Magermilchaustauscher basieren auf Magermilch und Molkepulver als Proteinquelle. Sie enthalten keine pflanzlichen Proteine und sind im Vergleich in der Regel am hochwertigsten.

  • Nullaustauscher ohne pflanzliches Protein basieren hauptsächlich auf Molkepulver und Kaseinat als Eiweißquelle.

  • Nullaustauscher mit pflanzlichen Proteinen ersetzen Milcheiweiß zum Teil durch pflanzliches Eiweiß, zum Beispiel aus Soja oder Weizen. Sie sind in den ersten drei Lebenswochen für Kälber nicht geeignet.

  • Eiweißgehalt der MAT muss stimmen!
    Ein wesentliches Kriterium für die Qualität der MAT ist der Eiweißgehalt. Doch auch hier muss man genau auf die Inhaltsstoffe achten! Gerade MAT mit hohem Proteingehalt auf pflanzlicher Basis (z. B. Soja-Feinmehl) sind problematisch, da die jungen Kälber noch keine pflanzlichen Eiweiße verdauen können. Das dazu benötigte Verdauungsenzym Pepsin wird erst bei älteren Tieren in ausreichender Menge produziert wird.

  • Es dauert etwa zwei bis drei Wochen, bis die Kälber das Verdauungsenzymsystem so umgestellt haben, dass auch pflanzliche Proteine verarbeiten können.

  • MAT die als Nullaustauscher auf pflanzlichen Proteinen basieren sollten daher in den ersten Wochen keinesfalls verwendet werden!

  • Achten Sie auf die Angaben auf dem Sackanhänger, um welche Proteine es sich handelt!

  • Auch der Rohfaser-Gehalt kann aufschlussreich sein: Liegt dieser höher als 0,1 % kann dies ein Hinweis auf pflanzliche Proteine sein.


Erfahren Sie in dem zweiten Teil von „Milchfütterung bei Kälbern“.

Hier erfahren Sie mehr über die Vor- und Nachteilen der Vollmilch im Vergleich zu den Vor- und Nachteilen von Milchaustauschern und vieles mehr!