Mycoplasma test

Mycoplasma bovis – Verwandlungskünstler mit guter Tarnung

Gast Autor Ceva Rind

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7.11.2023

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2 Min. Lesezeit

Laut Personenbeschreibung sucht die Polizei einen jungen Mann in den Zwanzigern mit ordentlich geschnittenen blonden Haaren, der einen blauen Pullover, braune Stiefel, eine schwarze Hose und eine rote Umhängetasche trägt. Er ist bekannt dafür, in Verbindung mit einer kriminellen Organisation zu stehen.
Wenn ich in dieser Situation wäre, würde ich wahrscheinlich sofort meine Haare färben, eine Brille aufsetzen und einen Bart wachsen lassen. Vielleicht könnte das für eine Weile die Aufmerksamkeit von mir ablenken. Allerdings könnte es schwieriger sein, mich von meinen „bekannten Verdächtigen“ zu distanzieren.

Ähnlich verhält es sich mit Mycoplasma bovis (M. bovis). Wie andere Krankheitserreger trägt M. bovis charakteristische Antigen-Proteine auf seiner Zelloberfläche. Das Immunsystem erkennt diese als potenziell gefährlich und mobilisiert Antikörper, um sie zu bekämpfen. Doch M. bovis ist raffinierter als die meisten Mikroben. Ähnlich einem flüchtigen Straftäter, der seine Identität durch Veränderung seines Erscheinungsbildes zu verschleiern versucht, kann der Erreger M. bovis seine Antigenpräsentation verändern, sozusagen seine „Kleidung wechseln“, um dem Immunsystem der Tiere zu entkommen. Dieses Chamäleon-ähnliche Verhalten erschwert die Entwicklung wirksamer Impfstoffe gegen M. bovis.

Studienergebnisse geben Aufschluss

Forschungsteams arbeiten jedoch daran, neue Wege zu finden, um das Problem anzugehen. Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Mycoplasmen allein möglicherweise kein großes Problem darstellen. Jedoch kann es in Anwesenheit anderer Krankheitserreger zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen. Entzündungen, die durch verschiedene Atemwegserreger verursacht werden, erhöhen das Risiko von Mykoplasmen-induzierter Lungen- und Gelenksentzündung. Zudem zeigen Untersuchungen, dass Kälber, die bereits unter einer Lungenentzündung durch andere Erreger gelitten haben, später anfälliger für Mycoplasmen werden können. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht nur Viren und Bakterien, sondern auch Staub und andere Reizstoffe Entzündungen verursachen können.

Tierarzt bei der Arbeit auf einem Milchviehbetrieb

Bei Verdacht Tierarzt rufen

Angesichts einer möglicherweise herausfordernden Situation aufgrund des Wetters im Herbst und Winter könnten einige Kälber besonders zu dieser Jahreszeit ernährungsphysiologische Probleme haben, wenn sie von der Milch abgesetzt werden. Die erhöhte Staub- und Schadgasbelastung bei schlechter Haltung dürfte zudem ihre Lungen weiter belasten. Aus diesem Grund ist es für Landwirte wichtig, sich mit ihrem Tierarzt zu der Einstellung, Gesundheitsvorsorge und Ernährung der Kälber zu beraten.

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