In dem ersten Teil des Artikels „Milchfütterung bei Kälbern“ konnten Sie bereits einiges über die Vollmilch und den Milchaustauscher lernen. Sie haben den ersten Artikel noch nicht gelesen, oder wollen den Artikel erneut lesen? Dann klicken Sie hier.

Erfahren Sie in dem diesen Artikel mehr über die Vor- und Nachteile der Vollmilch, sowie die Vor- und Nachteile des Milchaustauschers. Zudem wird das Thema des Milchaustauschers in der Praxis thematisiert.

Vorteile und Nachteile: Vollmilch und Milchaustauscher im Vergleich.

Grundsätzlich gibt es auch bei der Fütterung keine absolut richtige Lösung. Die Fütterung der Kälber muss im Betrieb jeweils optimal auf die Gesundheit der Tiere, die Haltungsbedingungen und -möglichkeiten vor Ort sowie auf die erwartete Leistungserbringung abgestimmt sein. Oftmals ist eine Kombination von Vollmilch und MAT sinnvoll, um eine optimale Versorgung der Kälber sicherzustellen. Hier die wichtigsten Vor- und Nachteile im Überblick:

Vorteile der Vollmilch

  • 100 Prozent gut verdauliches Milch-Eiweiß
  • Hoher Energiegehalt, hohe Energiedichte
  • Reicher Fettgehalt
  • Immunglobuline zum Aufbau des Immunsystems
  • Hoher Nährstoffgehalt ermöglicht gute Tageszunahmen
  • Meist problemlose Verfügbarkeit ohne Bestellung, Anlieferung, Anrühren
  • Keine zusätzlichen Kosten, Wertschöpfung für nicht verkäufliche Milch

    Nachteile der Vollmilch
  • Kann Krankheiten von der Kuh auf das Kalb übertragen
  • Insbesondere nicht verkehrsfähige Milch, aber auch pasteurisierte Milch, kann Krankheitserreger enthalten
  • Teilweise zu geringer Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen
  • Möglicherweise Spuren von resistenzfördernden Antibiotika
  • Evtl. zu hoher Fettgehalt kann Durchfall verursachen
  • Hoher betrieblicher Aufwand für Hygiene, Sicherheit und Konsistenz
  • Hohe Kosten im Vergleich zum Marktwert der Milch

Vorteile von Milchaustauschern
  • Konstante Zusammensetzung, die den Bedürfnissen des Kalbes entspricht (Proteine, Fette, Feststoff)
  • Minimierung von Kontamination und Verhinderung von Krankheitsübertragungen
  • Einfache Kontrolle der Futtermenge, präzise Fütterung ist möglich
  • Pasteurisiert und frei von Erregern
  • Kann je nach Bedarf in verschiedenen Tagesmengen-Konzentrationen gefüttert werden

Nachteile von Milchaustauschern
  • Schlechte Qualitäten können minderwertige Bestandteile haben, instabil werden und zu Mangel oder Durchfall führen
  • Eingeschränkte Verdaulichkeit, vor allem bei MAT mit hohem Anteil pflanzlicher Eiweiße
  • Mischfehler sind möglich, teilweise je nach Temperatur schwer mischbar
  • Kosten durch Zukauf, Organisation der Bestellung und Lieferung und tägliche Zubereitung

Milchaustauscher in der Praxis: richtig dosieren und mischen!

Der Einsatz von MAT in der Praxis ist in der Regel problemlos. Dennoch sind einige Dinge zu beachten, um eine optimale Versorgung der Kälber zu gewährleisten. Es kommt darauf an, dass der Milchaustauscher richtig dosiert, korrekt gemischt und verfüttert wird. Insbesondere ist darauf zu achten, dass der MAT sich in der Tränke nicht wieder entmischt!

  • Pro Tag sollten die Kälber in der Regel gut 1.000 g MAT aufnehmen, wobei die Konzentration bei etwa 140 bis 160 g pro Liter liegen sollte. Höhere Dosierungen können Durchfall verursachen. Achten Sie daher genau auf die vom Hersteller vorgeschriebenen Anwendungshinweise!

  • Achten Sie sowohl im Einrühreimer als auch beim Automaten auf die vorgeschriebene Temperatur, damit sich die Bestandteile des MAT stabil mischen und die Flüssigkeit gut verdaulich ist. Auch hier sind die Herstellerangaben zu beachten!

  • Kontrollieren Sie regelmäßig, ob der MAT in der Tränke weiterhin die richtige Temperatur hat und stabil gemischt ist. Der MAT darf sich nicht entmischen – dies ist besonders bei der ad-libitum-Fütterung zu beachten!


Bei kalten Umgebungstemperaturen, je nach Lebensalter der Kälber, muss mehr gefüttert werden, damit das Kalb den höheren Energiebedarf ausgleichen kann und weiterhin hohe Tageszunahmen erreicht werden. Zugaben von 1 Liter Vollmilch oder 170 g MAT bei gleicher Konzentration sind pro Mahlzeit zu empfehlen.Milchfuetterung Stall Kalb-2

Vollmilch und MAT: Finden Sie für Ihren Betrieb die beste Lösung!

Grundsätzlich kann man heute sagen, dass die Aufzucht der Kälber sowohl mit Vollmilch als auch mit MAT gut, gesund und effizient möglich ist. Beide Möglichkeiten haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, sowohl für die Kälbergesundheit als auch hinsichtlich der praktischen Anwendung im landwirtschaftlichen Betrieb. Aber natürlich ist auch eine Kombination beider Fütterungen möglich.

Doch egal, welche Fütterungsmethode sie in Ihrem Betrieb umsetzen: Entscheidend sind auf jeden Fall die Details! Achten Sie bei der Vollmilch penibel auf Hygiene, vermeiden Sie Übertragungen von Krankheitserregern und nutzen Sie die Pasteurisation. Beim Einsatz der MAT ist die optimale Auswahl extrem wichtig: Qualität und Zusammensetzung sowie die korrekte Verfütterung sind zwingend für die erfolgreiche Aufzucht der Kälber mit MAT.

Nicht zuletzt müssen Sie die Gegebenheiten Ihres Betriebs berücksichtigen, welche Fütterungsstrategie optimal umsetzbar ist. Die Kälbergesundheit ist vorrangig, aber auch Leistung und Wirtschaftlichkeit müssen passen. So kann es zum Beispiel gerade für kleinere Betriebe schwierig sein, die Pasteurisierung der Vollmilch wirtschaftlich umzusetzen. – Vollmilch oder MAT: Sie haben tatsächlich die Qual der Wahl!

Die richtige Milchfütterung der Kälber ist natürlich nur ein Aspekt für eine optimale Entwicklung der Tiere. Lesen Sie gerne auch unsere Beiträge über verschiedene Kälberkrankheiten.